Zur Geschichte des k. u. k. Technischen Militär-Komitees 1869—1918
Von
Oskar Regele
Mit 6 Abbildungen aus der Bildersammlung des Kriegsarchivs
Unter dem Eindruck des letzten, des technischen Jahrhunderts, hat sich bisweilen die Meinung verbreitet, die Kriegführung hätte in den vorangegangenen Epochen mit der Technik wenig zu tun gehabt, man hatte vornehmlich die Feldschlachten vor sich, die von mehr oder minder dürftig bewaffneten Massen aus- gefochten wurden. Und doch ist die Kriegstechnik so alt wie die Kriegführung selbst, denn die Erzeugung aller Waffen, die Überwindung der natürlichen Hindernisse, wie der Gebirge oder Flüsse, besonders aber das Ringen um Fortifikationen, also um Festungen, Burgen oder befestigte Lager, erforderte jederzeit gründliche technische Vorbereitungen. Jahrtausende zurück benützten die Assyrier Kampfwagen und machten Feuerangriffe mit Pech und Schwefel; die Griechen kämpften mit Sichelwagen; die Römer wurden durch ihre Militärstraßen und -brücken wie auch durch gute Wurfmaschinen berühmt; die Chinesen und Araber bedienten sich betäubender Gase und Dämpfe, der Minenkrieg ist uralt und das griechische Feuer der Byzantiner fehlt in keiner Chronik der Kriegstechnik. Die Waffenfabrikation hat nicht nur das Handwerk gefördert, die Geschützerzeugung hat — nach Sombart 1 — am meisten zur Fortentwicklung der metallverarbeitenden Industrie, das Schießwesen zur Entwicklung der Meßverfahren beigetragen. Zur Entstehung der nordböhmischen Industrie gab Wallenstein den Anstoß, als Schöpfer der schwedischen kann Gustav II. Adolf gelten. So gingen Krieg und Technik neben- und miteinander und der Sezessionskrieg 1861—1865 zeigte bereits alle Züge jener Kriegstechnik, wie sie sich dann in den beiden letzten Weltkriegen in größtem Ausmaße verwirklichte.
Das 19. und das beginnende 20. Jahrhundert bedeuten einen besonders markanten Wandel, bedingt durch die Möglichkeit des schnelleren Ortswechsels, des rascheren und genaueren Schießens, der vereinfachten Verständigung, der gesteigerten Waffenwirkung, der chemischen Kriegführung, der Panzer, des Luftkrieges und der allgemeinen maschinellen Arbeit. Vergleicht man die Truppen, welche in den Jahren 1878/79 Bosnien und die Herzegowina besetzten.
„Krieg und Kapitalismus“, München 1915.