Aufsatz 
Beginn der Erzeugung von Ferrolegierungen für die Edelstahlerzeugung in Österreich / von Franz Fattinger
Entstehung
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Franz Fattinger

worden, da man die inolybdänführenden Bleierze für weniger geeignet hielt. Die Bleiberger Union kam nun auf die einfache Idee, diese vorhandenen Halden, hauptsächlich durch Frauenarbeit, durchklauben zu lassen, die an dem Aussehen erkenntlichen molybdänhaltigen Bleierze auszuscheiden, wodurch mit einem Schlag wesentliche Molybdänerzmengen zur Verfügung standen. Ich hatte in Treibach die Vorarbeiten für die Aufarbeitung dieser Erze auf Ferromolybdän schon studiert und durchgeführt, so daß ich, als ich die Aufforderung zur Äußerung erhielt, nicht nur schriftliche Mitteilungen machen, sondern sofort damals an die Firma Böhler Muster von Ferromolybdän übermitteln konnte. Die Firma Böhler sandte mit größter Beschleunigung ihren Oberingenieur Rossipai. nach Treibach, denn die ganze Angelegenheit war ja für die Munitionserzeugung, d. h. Kriegsführung, von wesentlichem Interesse. Leider ist Herr Ing. Rossipal damals einem Straßenbahnunfall zum Opfer gefallen. Die Arbeiten gingen aber weiter. Die Bleiberger Union lieferte das molybdänhaltige Rohmaterial, die Trei- bacher Chemischen Werke verschmolzen es, und so begann die Erzeugung von Ferromolybdän in Österreich. Schwierigkeiten traten nur auf, weil sich die Firmen, welche das Ferromolybdän durch das Kriegsministerium zugeteilt er­hielten, über die Quote natürlicherweise erst einigen mußten. Dies wurde jedoch bereinigt, und durch den immer größer werdenden Bedarf an Ferrolegierungen wurde auch das Problem der Beschaffung immer wichtiger.

Ferrolegierungen enthalten neben dem Hauptmetall und Eisen stets die üb­lichen Eisenbegleiter in mehr oder weniger großer Menge. Diese Begleitelemente, und besonders der Kohlenstoffgehalt, können für die Herstellung und den An­wendungszweck der Ferrolegierungen ausschlaggebend sein. Das Herstellungs­verfahren richtet sich im hohen Maße nach dem chemischen Verhalten des Metalls und seiner Verbindungen und nach dem geforderten Reinheitsgrad und Kohlen­stof fgehalt der Legierung. Für die Herstellung kommen folgende Verfahren in Betracht:

'1. Die Reduktion mit Kohlenstoff im Hochofen,

2. die Reduktion mit Kohlenstoff im Elektroofen,

3. die silikothermische Reduktion im Elektroofen,

4. die aluminothermische Reduktion im Tiegel ohne äußere Wärmezufuhr.

Ich bemühte mich, Rohmaterialien aus dem Auslande zu bekommen, ebenso

hatten alle interessierten Firmen das gleiche Interesse, Rohmaterial zu beschaffen und umarbeiten zu lassen. Die Treibacher Chemischen Werke haben dement­sprechend so weit als möglich Vorarbeiten in ihren Laboratorien und Werkstätten geleistet. Es gelang einigemal, Rohmaterial verschiedener Art trotz der Ver­hinderungsversuche des Auslandes hereinzubringen und aufzuarbeiten. Längere Zeit war es möglich, insbesondere nach dem ersten Weltkrieg, Wolfram-Roh­material, welches in erster Linie aus China stammte, zu beschaffen. Ganz inter­essant war eine zufällige Gegebenheit, daß im Flugstaub der Schiffe, welche Rohöl verfeuern, wesentliche Mengen Vanadin enthalten sind, so daß Treibach außer Molybdän-, dann Wolfram- und Vanadin-Ferrolegierungen liefern konnte. Ich habe damals in Villach ein größeres vom Militär freigewordenes Objekt er­worben und dort eine Ferrolegierungsfabrikation eingerichtet, welche bis heute