Joseph Mauritius Stummer von Traunfels
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ab. Er ringt um die monumentale Form und sieht in den klassischen Architekten Serlio und Palladio seine Vorbilder. 3 Neue Raumideen, wie sie der junge Industriestil verlangte, brechen völlig mit überkommenen Vorstellungen. Die Organik des Baues, ausgehend von seinem Arbeitszweck, wird der Ausgangspunkt aller Entwürfe. Großzügig und klar sind die Gliederungen der Mauerflächen, die keine Detailwirkung aufkommen lassen. Stummer müht sich seit 1835 um Planzeichnungen für den Ausbau des Polytechnischen Institutes, welches bis dahin nur aus dem Nordtrakte bestand. Im Jahre 1836 hat er die Zeichnungen für den südwestlichen, südlichen und den großen Hoftrakt mitsamt den Stiegenhäusern fertig und krönt das Ganze durch den freundlichen Pavillon im zweiten Hofe,
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Entwurfskizze Stummers
Bild 3. Technische Hochschule Wien, Lehrkanzel für Hochbau (Prof. Merinsky)
welcher 1951 umgebaut wurde. Die Zeichnungen sind noch heute in Mappen auf der genannten Lehrkanzel der Technischen Hochschule einzusehen und wurden 1945 in verdienstvoller Mühe entborgen und sachgemäß geordnet.
Am 2. April 1835 genehmigte der Kaiser Architekt Stummer den Auftrag des „polytechnischen Institutsbaues für die Gewerbe-Produkten-Ausstellung“ und überträgt ihm die Leitung des Baues „mit der Erwartung, daß Stummer das durch sein Projekt und seine bisherige Verwendung begründete Vertrauen zu recht- fertigen sich bemühen wird“. 4 Der Bau wurde 1839 fertig und Stummer bekam auch eine Summe bewilligt, um den vorhandenen Nordtrakt seinem Konzeptionsschema entsprechend zu restaurieren. Am 18. Mai dieses Jahres hat der Kaiser „dem Professor Stummer aus Anlaß der soliden Ausführung des Institutsbaues und der hiebei erzielten bedeutenden Ersparung, indem seine bei der Leitung des Baues entwickelte angestrengte Tätigkeit, musterhafte Rechtlichkeit und bewährte praktische Sachkenntnis zur Erreichung eines so günstigen Resultates
3 Vgl. Gollob Hedwig, Prof. Joseph Mauritius Stummer. In: Veröffentlichungen der Lehrkanzel f. Hochbau (Prof. Merinsky) a. d. Techn. Hochschule Wien. Heraklith- Rundschau Heft 11. Radenthein 1951.
4 Vgl. Personalakt.