70
Hedwig Gollob
bessernng der Heizapparate, Heizanlagen und Heizmethoden, durch Wahl besseren Heizmaterials müßte dieser Zweck erreicht werden können und damit eine entsprechende Herabsetzung der Verwaltungskosten zur Folge haben.“ 8 Von Seiten der Direktion des Polytechnischen Institutes wird Stummer zum Mitgliede dieser Kommission ernannt. Als Vorstand dieser wird von Seiten des Regierungspräsidiums Hof rat Freiherr von Lago ernannt. Wie wichtig damals diese Dinge genommen wurden, bezeugt ein Dankschreiben der Akademie der Wissenschaften vom Jahre 1849 an Stummer für seine Arbeit über Entwurf und Kostenüberschlag eines Gebäudes zur Analyse und Untersuchung von Kohlen (Dampfkesselgebäude). Schließlich mußten ihm ja diese wissenschaftlichen Studien gerade als technischer Hauptfaktor der Nordbahngesellschaft zu Nutzen gereichen. Aus diesen und ähnlichen Vorfällen ersehen wir, daß Stummer mit einer gewissen Vielseitigkeit auf die aktuellen technischen Situationen eingestellt war. Als Vorstand der Lehrkanzel der Bauwissenschaften war auch der Land- und Wasserbau in seinem Arbeitskreise; so wurde er „infolge Dekretes des hohen k. k. n.-ö. Regierungspräsidiums zum unbeteiligten technischen Sachverständigen bei der Kommission zur Untersuchung des unzweckmäßig, wenig dauerhaften und schon öfters zerstörten Wasserfluders in der Thaya bei Laa“ aufgestellt (1841). Der größte Teil der öffentlichen Arbeiten wurde Stummer als Mitglied jenes Hofkammer-Baukomitees zuteil, in welches er am 17. März 1843 berufen worden war. Sein Arbeitsbereich in diesem Zusammenhänge war „die Ausführung aller zur angemessenen Unterbringung des allerhöchsten Hofstaates und der öffentlichen Ämter und Anstalten angeordneten Bauten“. 9 In dieser höchsten Stelle, die ein österreichischer Architekt erreichen konnte, arbeitete er mit Sprenger zusammen, der ja gerade so wie er aus der Schule Nobiles an der Akademie hervorgegangen war.
Wir dürfen uns in keiner Weise von der späteren, völlig aus dem Kreise der Romantik abgeleiteten Literatur beeinflussen lassen, welche gegen diese Linie der funktionellen Architektur eine so scharfe Stellung nahm und welche meist von Nichtwienern hier eingeführt, von der Regierung später so sehr gefördert wurde. Gewiß hat auch die Romantik für Wien eine leider noch zu wenig geschätzte großartige Rolle gespielt und wir werden sehen, wie vorsichtig gerade im Fall Stummer anfangs von der Regierung zugunsten beider Parteien eingegriffen wurde. Während Sprenger scheinbar der neuen Richtung unversöhnlich gegenüberstand, so war es gerade die Regierung, welche bestrebt war, Stummers Organisationsgenie in den Dienst der romantischen Form zu stellen.
Nun drängte sich aber an Stummer ein ganz großes neues Arbeitsgebiet heran, das sind die Neubauten der Wiener Banken. Das alte Bankogebäude in der Singerstraße wurde vorläufig von Stummer mit einem dritten Stockwerk erweitert und nach den Berichten aus dem STUMMER-Archiv reichlichst ausgestattet. Im Jahre 1843 überträgt nun „Seine Exzellenz der Herr Präsident der k. k. allgemeinen Hofkammer, Freiherr von Kübeck, dem Hofkammer-Bau-Comitö-
8 Personalakt.
9 Personalakt.