Joseph Mauritius Stummer von Traunfels
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tekt Prof. Wilhelm Sprenger, dem späteren Hofbaurat, versuchte, beim Umbau des Turmhelmes zu dessen Sicherung eine Eisenkonstruktion einzubauen. Die Arbeiten an diesem Wiener Denkmal dauerten bis 1844. Bei der Vollendung der so bearbeiteten Spitze erhielt Stummer zum Zeichen der allerhöchsten Zufriedenheit den Ausdruck des Wohlgefallens. Leider hat sich diese Konstruktion, wie sich zwanzig Jahre später herausstellte, nicht bewährt und Stummer wurde unter Kardinal Rauscher neuerdings mit der Restaurierung des Stephansturmes betraut. Es war dies gewiß ein sehr ehrenreiches Arbeitsgebiet, das ihm hier übertragen wurde. Daneben liefen aber weitere Aufträge der öffentlichen Industrie. 1840 erhält er mit Dekret der allgemeinen Hofkammer vom 24. März den Auftrag, daß er „das Projekt für die Tabakfabrik in Schwaz in Tirol entwerfe“. Am 21. August teilt ihm der Vorstand der k. k. Tabakfabrik-Direktion Wien mit, daß die hohe allgemeine Hofkammer infolge Dekretes vom 8. d. Mts. „mit Vergnügen den Anlaß ergriffen, dem Professor Joseph Stummer für die mühevolle und gediegene Arbeit der Baupläne für die Tabakfabrik zu Schwaz eine Remuneration von 500 fl. zu bewilligen“. Im August machte Stummer über Beschluß der k. k. Hofkammer 1842® eine Studienreise nach Trient und Schwaz, „um die dort bestehenden und auf die notwendigen Neueinrichtungen der Schwazer Tabakfabrik Einfluß nehmenden Verhältnisse zu erheben“. Der Großteil der Pläne ist in einer Mappe des derzeitigen Archives der Lehrkanzel für Hochbau (Prof. Merinsky) an der Technischen Hochschule erhalten. Am 24. Februar 1846 ersucht die gleiche Tabakfabrik-Direktion Stummer zu dem von ihm verfaßten Projekte eines Adaptierungsbaues für eine aus einem Teile der k. k. ärar. Porzellanfabrik in der Rossau herzustellende Zigarrenfabrik einen Vertragsentwurf hinsichtlich ihrer Ausführung vorzulegen. 6 7 Man sieht aus diesen Berichten, daß Stummer als Angehöriger der Hofkammer und deren Architekt gerade den industriellen Teil in der Hand hatte, während Sprenger doch mehr für die Repräsentationsbauten allein zugezogen wurde. Allerdings trat Stummer später auch hier, wie wir sehen werden, an seine Seite. Stummers Eigenart bestand eben darin, daß er die konstruktiven und technischen Forderungen vollkommen beherrschte. So war damals das Problem der Beheizung der Staatsraumbauten, sowie anderer größerer Objekte in den Vordergrund gerückt. Wie wir aus den Zeichenmappen sehen, hat sich Architekt Stummer schon frühzeitig mit Beheizungskonstruktionen beschäftigt und die Herstellung der Militär-Dampfbäder, sowie ein besonderer Auftrag der Regierung beweist hier seine Fachkenntnisse. Es war ja selbstverständlich, daß die für die Zwecke der österreichischen Verwaltung in großen Dimensionen errichteten Gebäude auch eine heiztechnische Problematik in sich bargen. Im Jahre 1841 „beschließt im Aufträge des Finanzministeriums die Direktion des Polytechnischen Institutes in Wien die Errichtung einer sachverständigen Kommission zur Untersuchung, auf welche Weise die öffentlichen Ämter und Anstalten in zweckmäßigerer und billigerer Weise geheizt werden könnten: durch Ver-
6 Personalakt.
7 STUMMER-Archiv.