Joseph Mauritius Stummer von Traunfels
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war von großem Erfolg für die Ausgestaltung des Unterrichtes geworden; und er hatte zum Abschluß seiner Tätigkeit eine monumentale statistische Arbeit über die Entfaltung des österreichischen Unterrichtswesens gemacht, welche ebensolche Ruhmeszüge machte, wie sein früheres Nordbahntableau. Sie wurde schließlich in das Büro des Staatsministers übertragen und dort ausgestellt. Für das Eisenbahnwesen nun gänzlich frei geworden, greift er auch in den Bereich der südlichen Linien über. Er leitet, vom Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten zum Obmanne des Schiedsgerichtes ernannt, die Rückführung und Rückübergabe der südlichen Staatsbahnen und leitet in ähnlicher Funktion die Übernahme der Wien-Gloggnitzer Bahn in die Ararialregie. Auch im Arbeitsgebiete der Verbindungsstrecken der Südbahn wie der Semmeringtrasse war Stummer beschäftigt. Seine Mitwirkung bei der Durchführung der sogenannten Kärntnerbahn muß eine bedeutende gewesen sein, da sich bei Abschluß der Arbeiten Graf Thurn im besonderen verpflichtet fühlte, ihm seinen Dank auszu- sprechen. Auch hier war er überdies dann bei der Übernahme dieser Bahn in die Regie der Gesellschaft der lombardisch-venezianischen Centralitalien-Bahn am Werke. Es handelt sich in solchen Fällen wohl meist um die Bereinigung und Angleichung administrativer und tariferer Verhältnisse. In seine Tätigkeit an dem südlichen Eisenbahnnetze fällt auch sein umsichtiges Eingreifen bei dem Transporte der päpstlichen Freiwilligen im Jahre 1859 und 1860 nach Triest und zurück, wofür ihm der Papst am 12. Mai 1865 den St. Gregor-Orden Civil- klasse verliehen hatte. Der Eisenbahntransport in Kriegsfällen wurde damals für besonders wichtig angesehen und ein klagloses Zustandekommen solcher Beförderungen sehr gewertet. Im Jahre 1867 nimmt er an der Ausgestaltung der Theißbahn teil und wirkt 1871 als Präsident des Verwaltungsrates an der Lun- denburg—Nikolsburg—Grußbacher Strecke. Nun erweiterte sich auch der Wirkungskreis der Nordbahn nach Galizien; Stummer wurde in den Ausschuß der Carl-Ludwigsbahn ernannt. In den letzten Jahren erhielt er eine Reihe großer Auszeichnungen. Bei seinem Scheiden von der Technik, 1867, mit dem Titel eines Regierungsrates geehrt und wegen seines bewunderungswürdigen Verhaltens im Falle der Nordbahn mit dem Titel eines Hofrates bedacht, erreichte ihn gerade als Eisenbahnfachmann vom Kaiser die höchste Auszeichnung, indem er am 1. Jänner 1866 durch Verleihung des österr. Ordens der eisernen Krone in den erblichen Adelsstand derer von Traunfels erhoben wurde. 1867 wurde er im Vereine mit anderen berühmten Technikern der Eröffnung des Suezkanales beigezogen. In den letzten Jahren, noch bei der Ausarbeitung von Beschlüssen des Vereines deutscher Eisenbahnverwaltungen tätig, wirbt er auch für humanitäre Einrichtungen und wird 1872 Präsident der Moritz Freiherr v. KÖNioswARTER-Stiftung für Witwen und Waiseü nach nicht pensionsfähig gewesenen Beamten und Dienern von Kommunikationsinstituten und Banken.
Im Jahre 1882 legte er seine Präsidentschaft an der Nordbahn zurück und beschloß sein arbeitsreiches Leben am 12. Februar 1891 in Wien. Ausdrucksvoll hatte anläßlich seiner Ernennung zum Hofrat der damalige Handelsminister Johann Ritter von Chlumecky sein Wesen mit folgenden Worten charakterisiert: „An der Spitze der Kaiser Ferdinands-Nordbahn steht durch lange Jahre