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Erich Kurzel-Runtscheiner
schaft nach Deutschland zu verlagern, die er in gemeinsamer Arbeit mit .Justus von Liebig förderte und ausbaute.
Herbert Hassinger bietet als Heft 38 der „Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs“ eine auf umfangreicher Quellenforschung aufgebaute Biographie von Johann Joachim Becher (1635—1682) 6 dar. Diese Arbeit ist als Beitrag zur stets interessanten Geschichte des Merkantilismus besonders darum wertvoll, da sie nicht nur die Beziehungen Bechers zur Habsburger Monarchie erschöpfend schildert, sondern auch das Dunkel aufzuhellen vermag, das bisnun über den letzten Lebensjahren lastete, die Becher in erfolglosem Kampf mit der Umwelt in England verbrachte. Dem Verlag Adolf Holzhausens Nfg., Wien, gebührt der Dank, diese wertvolle Schrift 1951 herausgebracht zu haben.
Paul Siebertz, den der technikgeschichtlich Interessierte als den Verfasser der vorzüglichen Biographien von Daimler und Benz kennt, hat nun eine Lebensgeschichte von Ferdinand von Steinbeis verfaßt, die 1951 im Reclam- Verlag in Stuttgart erschienen ist 6a . Ferdinand von Steinbeis zählt zu den bedeutendsten Technikern und Wirtschaftlern des neunzehnten Jahrhunderts. Daß er beides konnte, hat ihn zu den großen Leistungen befähigt, die nicht nur seinem Vaterland Württemberg, sondern auch andern Ländern zugute kamen und noch kommen. Zum Techniker geboren, in der Wirtschaft erzogen, gibt er dieser schon, als sie ihm noch geben soll. Das Problem der Arbeiterfürsorge und der Berufserziehung beschäftigt ihn von seiner ersten praktischen Verwendung an und wird von ihm auch in seiner Doktorarbeit behandelt. Daß dessen richtige Lösung für eine gesunde Wirtschaft unerläßlich ist, davon ist er voll überzeugt. Die hüttenmännischen Leistungen — vom vierzehnten bis zum einundvierzigsten Lebensjahr — zeigen seine Bedeutung als Techniker und Wirtschaftler im einzelnen, die dann folgende Tätigkeit in der Zentralstelle für Handel und Gewerbe in Stuttgart läßt uns den souveränen Beherrscher der Wirtschaftsgestaltung eines Landes und darüber hinaus den Lehrmeister vieler anderer Länder erkennen. An der Tragik seines Abganges aus dem öffentlichen Leben — er zählte damals 73 Jahre — ist der vorerst viel Gefeierte selbst nicht schuldlos. Dem Parteienhader entrückt, sind sich aber die späteren Generationen wieder bewußt geworden, was sie ihm zu verdanken haben. Ist der Lebensgang Steinbeis’ schon an und für sich fesselnd, so ist Siebertz’ Darstellung desselben von einer nicht zu überbietenden Lebendigkeit und Lebenstreue. Der dem Verfasser eigene flüssige Stil, den er trotz der vielfachen Einschaltungen der — zur Lebenstreue beitragenden — direkten Rede beizubehalten imstande ist, macht das Studium der Biographie leicht und ihre Lektüre angenehm. Das Buch ist übrigens nicht Biographie allein, es ist auch ein Stück Zeitgeschichte.
Professor Dr. Hugo Glaser verfaßte das im Schönbrunn-Verlag, Wien 1951,
6 Herbert Hassinger: „Johann Joachim Becher 1635—1682. Ein Beitrag zur Geschichte des Merkantilismus“, Wien 1951.
6a Paul Siebertz: „Ferdinand von Steinbeis, ein Wegbereiter der Wirtschaft“, mit Illustrationen. Die Besprechung dieses Buches wurde von Min. Rat Dipl.-Ing, Viktor Sch ützenhofer verfaßt.