Technikgeschichtliehe B iicherschau
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technischen Industrie in Deutschland, Werner von Siemens, gewesen ist. Das nun geschlossen vorliegende Werk, das den Titel „Geschichte des Hauses Siemens " 41 trägt, umfaßt drei Bände und wurde vom Verlag Karl Alber, München (nun Freiburg-München) herausgegeben. Der erste Band, der 1947 erschien, umfaßt die Gründung des Hauses und die Geschehnisse der Jahre 1847 bis 1903; der zweite 1949 erschienene Band mit dem Untertitel „Technik als Schicksal" berichtet über die Jahre 1903 bis 1923; der dritte Band schildert „Die Dämonie des Staates", ihren Einfluß auf das SiEMENSsche Weltunternehmen und umfaßt, 1952 erschienen, die Geschehnisse der Jahre 1922 bis 1945. Das Packende über die übliche Art industriegeschichtlicher Schilderungen weit hinausgehende an diesem Werk ist, daß es der A’erfasser immer wieder versteht, die Schicksale des Hauses Siemens inmitten des wechselnden Weltgeschehens darzustellen und darzulegen, wie dieses stets die Entwicklung des Konzernes beeinflußte. Außerdem gelingt es dem Verfasser in selten anzutreffender Kunst, auch komplizierte technische Vorgänge, wirtschaftliche Überlegungen und Entwicklungen einfach und verständlich zu schildern. Man lese, will man dies würdigen, etwa die Seiten, die sich mit der Auffindung und Auswertung des dynamoelektrischen Prinzips befassen oder jene, die die Entwicklung der Telephonie darstellen, wie sie sich aus dem Erfindungsgedanken Pupins ergab. Techniker, Industrielle, Volkswirtschaftler, ja jeder am Weltgeschehen des letzten Jahrhunderts Interessierte wird immer wieder neue Gesichtspunkte finden, von denen aus dieses betrachtet werden kann und betrachtet werden muß. Jedermann wird aus dem Werk von Georg Siemens Vergnügen und Belehrung in Fülle gewinnen, wenn er es aufmerksam durchgeht.
Das zweite der angeführten Werke ist die 1951 im Piscator-Verlag, Stuttgart, erschienene „Geschichte des Jenaer Zeisswerkes 1846— 1946“. 42 Als Verfasser zeichnet Dr. Friedrich Schomerus, der als „alter Zeissianer“ und langjähriger Personalreferent des Unternehmens bestens dazu legitimiert ist, diese ein Jahrhundert umfassende Geschichte eines weltberühmten Industriewerkes zu schildern. In stets die Aufmerksamkeit des Lesers vollauf beschäftigendem Stil wird die Gründung des Werkes durch Carl Zeiss (1816—1888), die Art, wie dessen Erzeugung durch Ernst Abbe (1840—1905) auf immer wissenschaftlicherer Basis aufgebaut wurde, die Umwandlung des Unternehmens in die „Zeiss-Stiftung“ geschildert. Auch die Führerpersönlichkeiten während der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts werden dem Leser nahegebracht und ein überblick über die Ausweitung des Fabrikationsprogrannnes gegeben. Es liegt ungeheure Tragik im Schicksal, das dem Unternehmen seit 1945 zuteil wurde. Aber auch zerspalten und verlagert auf neue Standorte, lebt es weiter. In diesem Buch grüßen in Wahrheit — wie der Autor sagt — die Ahnen des Werkes die Gegenwärtigen und diese die Zukünftigen. Möge der Gedanke sich verwirklichen, mit dem das Buch schließt — nicht nur für das Zeisswerk, sondern für uns alle: „Vor uns der Tag, hinter uns die Nacht.“
41 Georg Siemens: „Geschichte des Hauses Siemens“; 1. Band ,,1847 —1903“ München 1947: 2. Band „Technik als Schicksal 1903 -1922“, München 1949; 3. Band „Die Dämonie des Staates 1922—1945“, Freiburg-Miinchen 1952.
42 Friedrich Schomerus: „Geschichte des Jenaer Zeisswerkes 1846—1946“, mit 30 Abbildungen auf 13 Tafeln, Stuttgart 1952.