Präzisions-Zeitmessung in der Vor-HUYGENSseheu Periode.
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Reibung verursachenden Einflüssen weitgehend entlastet. Daraus kann man schließen, daß Burgi die störenden Einziehungen solcher Komponenten deutlich erkannt hatte und sich intensiv damit beschäftigte, diese so vollkommen als möglich auszuschalten und das eigentliche Zeitmeßsystem unbeeinflußt arbeiten zu lassen.
I >ie betätigten Zeitweisungssysteme sind :
a) drei gesonderte Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden, wie auf Bild 5 ersichtlich.
b) Mondstandsindikationen, wozu auf der Rückseite der Uhr ein eigenes Blatt angeordnet ist, und zwar ein Zifferblatt, welches das Mondalter anzeigt und darüber zur Veranschaulichung der Mondphasen eine kleine Kugel, eine Hälfte hell, die zweite dunkel, auf einer lotrechten Achse rotierend.
c) ein Himmelsglobus zur Verdeutlichung der jährlichen scheinbaren Bewegung der Sterne am Firmament.
I >er Himmelsglobus besteht aus einer durchsichtigen Bergkristallkugel, welche die Bekrönung des Uhrwerks bildet. Darauf sind die Hauptsternbilder und die Tierkreiszeichen figural, entsprechend ihrer mythologischen Bezeichnung, mittels Diamant eingraviert. Die Kugel ist hälftig geteilt und hohl; im Inneren enthält sie eine Armillarsphäre aus blau angelassenem Stahl. Dieser Himmelsglobus dreht sich einmal im (siderisehen) Tag herum; seine jeweilige Lage kann am kalibrierten Äquatorring abgelesen werden, der auf dem oberen Flansch des Uhrwerkskörpers eingraviert ist. In der Trennfuge zwischen den beiden Kugelhälften des Himmelsglobus läuft ein Sonnenbild, das einmal im Jahr den vollen Umfang zurücklegt und auf diese Weise die jeweilige Sonnenposition im Tierkreis anzeigt.
Nach dieser allgemeinen Beschreibung der Werksanordnung der Bergkristalluhr kann nunmehr an die eigentliche kritische Überprüfung des Mechanismus bezüglich des ihm zugrunde liegenden Gangprinzips herangegangen werden.
Kritische Untersuchung des Gangprinzips der Wiener Bergkristalluhr
Jost Burgis.
So wie sich heute der Mechanismus entsprechend Bild 8 darbietet, liegt eindeutig ein eigenperiodisches System nach dem Unruheprinzip vor. Allerdings ist die gegenwärtig an der rechten Wag befestigte Haarfeder offensichtlich ein Produkt des 19. Jahrhunderts, denn sie ist außergewöhnlich fein, besitzt 7 Windungen und ist an einem kleinen Bronzeblock befestigt, der an einem Kloben mit einer versenkten Niete festgemacht ist. Auf der Feder gleitet ein Reiter, der von außen durch eine im Bergkristallgehäuse gebohrte Öffnung ohne Silber- fassung vermittelst eines kleinen Triebes mit Vierkant verstellt werden kann.
Der zunächstliegende Schluß war der, daß Burgi tatsächlich schon das I.mruheprinzip angewendet hat und daß die gegenwärtige Haarfeder bloß ein anscheinend zu Beginn des vorigen Jahrhunderts vorgenommener Ersatz für die Originalfeder Burgis sei. Demnach hätte Burgi also bereits den Isochronismus