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Hans v. Bertele.
lang einer Spiralführung nach abwärts und bewegt dadurch einen Stahlkäfig, welcher das Drehmoment auf das Hebelwerk weiterleitet. Diese Anordnung ist in Bild 11 gezeigt. Jede Kugel wird nach Verlassen des Käfigs sofort selbsttätig durch eine neue Kugel aus dem Vorratsmagazin im Oberteil der Uhr ersetzt. Da diese Bauart jedoch keine einfache Drehmomentveränderung zuläßt, sind die Trägheitsmomente der Kreuzschlagarme durch Verschrauben der löffelartigen Massen justierbar.
Bei diesem Sachverhalt wurde es um so notwendiger, die Nachforschungen nach Originalwerken von Burgi mit verstärkter Intensität weiterzuführen, um womöglich Zwischenstufen der Entwicklung zur Bergkristalluhr zu finden. Die gewißheitgebende Bestätigung, daß Burgi in der Wiener Bergkristalluhr den vermuteten Kreuzschlag zweier freier, d. i. aperiodischer, Wagen verwendet hat, und überdies noch ein Einblick in die schrittweise Entwicklung von Burgi zu dieser Gangart brachte aber im Herbst 1952 die Auffindung zweier, unter hilfreichster Mitwirkung von Herrn P. A. Kirchvogel, dem Leiter der Staatlichen Kunstsammlung des Landes Hessen in Kassel, als Werke Burgis agnoszierter Uhren. Es handelt sich dabei um die in Tabelle 1 als „vertikale Tischuhr im Holzgehäuse auf Drehschemel“ bezeichnete Uhr Nr. 3 und um die „vertikale doppelseitige Tischuhr in Holzgehäuse“ Nr. 7.
Die erstere ist eine durch 3 Monate mit einem Aufzug arbeitende Federuhr mit einem Gewichts-Remontoir, die als Gangregler noch die gewöhnliche Wag mit Borsten zur Amplitudenbegrenzung besitzt. Die zweite aber hat bereits den Kreuzschlag und ein der Wiener Bergkristalluhr sehr nahestehendes Feder- remontoir; nur erfolgt hier das Nachziehen in längeren Intervallen (alle 12 Stunden) und das Gangrad ist noch das früher übliche Kronrad. Nähere Einzelheiten über diese zwei BuRGi-Uhren finden sich in dem eingangs genannten Originalbericht (12), wo auch ein überblick über die vor Burgis Zeiten verwendeten Reguliermethoden gebracht ist.
Dieses Bild wird schließlich noch durch einige andere Uhren aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts vervollständigt, die auch mit Kreuzschlaggang 5 ausgerüstet sind. Auffällig ist, daß diese meist von den bedeutendsten Uhrmachermeistern der damaligen Zeit stammen. Obzwar die Ausführungen dieser Kreuzschlagsysteme nicht immer die werkmännische Höhe der Burgi- oder Radeloff- Anordnungen aufweisen, so zeigt doch ihre Existenz zumindest, daß die Kreuzschlagidee von den zeitgenössischen Fachleuten als eine hochwertige Verbesserung erkannt wurde, obwohl sie in der Fachliteratur der letzten zwei Jahrhunderte nicht vorkommt. Die Kriegswirren, in welche Mitteleuropa in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verwickelt war, einerseits und anderseits die Erfindung des einfacheren Pendels 1681 machen es verständlich, daß Burgis Kreuzschlag
5 Von dieser Ausführung gibt es u. a. zwei Uhren, im Kunsthistorischen Museum in Wien (vgl. 15) von H. Buschmann und Nicolaus Plankh und eine im Deutschen Museum in München. Die letztere ist eine von G. Mayr sorgfältig ausgeführte astronomische Uhr; die Kreuzschlaghebel sind dabei kurz und haben nicht genügend Elastizität, um den Rückstoß merkbar auszugleichen.