Aufsatz 
Zur ältesten Geschichte des Bernsteins / von Heinrich Quiring
Entstehung
Seite
44
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Zur ältesten Geschichte des Bernsteins.

Von

Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. Heinrich Quiring,

Techn. Universität Berlin-Charlottenburg.

Mit 5 Abbildungen.

Der Bernstein gehört zu den ersten von Menschen getragenen Schmuck­mineralen. Das älteste Kunstwerk aus Bernstein wurde bei Meiendorf-Hamburg (Tode 1934) gefunden. Es ist eine durchlochte Bernsteinscheibe des Magda- lönien II (um 11.000 v. Chr.) mit einem eingeritzten Wildpferdkopf. Der Bern­stein dürfte an der Nordseeküste aufgelesen sein, wo er noch jetzt in pfund­schweren Stücken ans Land gespült wird. Ferner lagen Bernsteinstückchen in der Magdalönschicht der Gudenus-Höhle hei Krems 1 , in der Mokrauer-( Kostelik )- Höhle in Mähren (Wankel) und in der Zitny-Höhle 2 . Dieser österreichisch­mährische Bernstein scheint aus den Karpaten (Galizien), aus Böhmen oder aus Niederösterreich zu stammen. In den Beskiden und in Galizien gibt es bernstein­ähnliche fossile Harze im tertiären Karpatensandstein bei Mizun, Bründel, Pasicsza, Trzebinia, Krakau und Podgorodgyrze-Lemberg, im böhmischen Tertiär bei Aussig und Skuc, in Niederösterreich bei Höflein, Gloggnitz, Jauling und St. Veit. Dunkelroter Bernstein (5 Stücke) lag nach L. Frossard (1870) in der Magdalönschicht der Grotte dAuressan (Döp. Hautes Pyrenees 3 ). In Tertiär­schichten (Ligniten) von Barjac (Dep. du Gard) ist dunkelroter Bernstein ein­gelagert. Stücke dieses Bernsteins scheint der Altsteinzeitmensch gefunden, auf­gesammelt und in seine Höhle gebracht zu haben.

Der Mensch des Magdalönien hat auch andere Steine gesammelt, durchbohrt und als Halsschmuck verwandt, so Gagat, Kohle, Flußspat, Nephrit.

Diese altsteinzeitliche Vorliebe für Steinschmuck ging in der darauffolgenden Mittelsteinzeit (9000 bis 4800 v. Chr.) fast völlig verloren 4 . Ackerbau und Vieh­zucht nahmen jedenfalls in Nordwest-Europa und im nördlichen Mitteleuropa das

1 H. Obermaier und H. Breuil : Die Gudenushöhle in Niederösterreich. Mitt. Anthropol. Ges., 38, Wien 1908, S. 277.

2 M. Hoernes : Der diluviale Mensch in Europa. Braunschweig 1903.

3 L. Frossard : Note sur la grotte dAurensan. Mat. pour lhistoire de lhomme. 1870. S. 205 bis 216.

4 H. Quiring : Ursprung der Bildkunst. Urania 11, Jena 1948, S. 283 bis 290.