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Heinrich Quiring.
der Bernstein stark löslich 5 , während z. B. frischer Ostsee-Bernstein nur zu 17 bis 42°/o in Alkohol und bis zu 16°/'o in Azeton löslich sein soll (Klebs). Wir müssen aber bedenken, daß der 3300 Jahre alte Bernstein des TuTANCHAMOX-Grabes erheblich verändert (verwittert) ist. Auch Ostsee-Bernstein wird beim Liegen an der Luft in wenigen Jahrzehnten dunkler und mürber. Die geringere Wider-
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Bild 2. Stahldolch mit Bergkristallknopf aus dem Grabe des Tutanchamon.
Nach Carter.
Standsfähigkeit des Bernsteins im Grabe des Tutanchamon gegen Lösungsmittel kann ebenfalls eine Alterserscheinung sein. Die Verbindung der Bernsteinperlen mit Gold und dem damals über alles geschätzten Lapislazuli deutet auf eine hohe Bewertung des Bernsteins hin.
Die Herkunft des Bernsteins des TuTANCHAMON-Grabes ist wegen der erheblichen stofflichen Umwandlung sehr schwierig zu beurteilen. Doch vermag eine urkundliche Quelle darüber Auskunft zu geben, obwohl sie bisher noch nicht dazu herangezogen wurde.
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Bild 3. Scheide des Stahldolches aus dem Grabe des Tutanchamon. Nach Carter.
Auf den Tafeln von El Amarna findet sich ein Brief des Königs Tusratta von Mitannu (1387 bis 1367) an Amenophis (Echnaton) IV. (1375 bis 1358), den Schwiegervater des Tutanchamon. In diesem Brief sind die zahlreichen und wertvollen Schmuckstücke der Mitgift aufgezählt, die Tusratta seiner Tochter Tatuhepa für Amenophis IV. mitgegeben hat 6 . Unter den 16 verschieden benannten Edelsteinarten findet sich auch der aban („Stein“) Sag. Kal. 78 abnu Sag. Kal hat Tusratta seiner Tochter mitgegeben. .1. A. Knudtzox hat den Stein nicht zu deuten versucht. R. C. Thompson 7 hat den aban Sag. Kal als unbestimmbar bezeichnet. Daher hat ihn der sich auf Thompson stützende Boson in dem von ihm verfaßten Abschnitt „Edelsteine“ des Reallexikons für Assyriologie 8 nicht einmal erwähnt. Nach dem TusRATTA-Brief wechselten in
5 A. Lucas in H. Carter : The Tomb of Tut-Ankh-Amon. Bd. II.
fi J. A. Knudtzon: Die El-Amarna-Tafeln. I. Leipzig 1915, S. 189 bis 233. Verschwägerungen zwischen den Königshäusern von Ägypten und Mitannu waren nicht selten. So hatte Thutmosis IV, eine Tante, Amenophis III. Giluhepa, die Schwester des Tusratta zur Frau.
7 II. C. Thompson : A dictionary of Assyrian Chemistry and Geology. Oxford 1936, S. 185.
8 E. Ebeling u. B. Meissner: Reallex. d. Assyriol. Bd. II, Berlin und Leipzig 1838, S. 266 bis 273.