Alte Eisenindustrie im Lavanttal.
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langen gehabt. Beim Gärben wurden neun bis fünfzehn Schienen von Mock, einem Nebenprodukt der Stahlerzeugung, unter dem Zainhammer verschweißt, um daraus die Sensenrücken hersteilen zu können, ebenso vier bis sechs Stahlschienen für die Erzeugung der Schneide. Die ganze langwierige Arbeit des Gärbens hatte den Zweck, das von den Hammerwerken in recht ungleichmäßiger Zusammensetzung gelieferte Material zu mischen. Es wurden so kohlenstoffreichere, härtere und kohlenstoffärmere, weichere Lamellen innig verschweißt, wobei nicht nur das Gefüge verfeinert und vorhandene Schlackenreste herausgequetscht werden konnten, sondern vermutlich auch noch durch Zementation ein Ausgleich im Kohlenstoffgehalt der benachbarten Partien erzielt wurde. Sehr wichtig war es dabei, im Endprodukt gerade jenen Kohlenstoffgehalt zu erzielen, welcher für die fertige Sense die beste Schnittfähigkeit ergab. Nach der Gärbung wurden Ruck- und Schneideisen unter dem Zainhammer miteinander verzaint. Anschließend wurden diese Zaine unter dem Breithammer zu Sensenblättern gebreitet. Diese Rohsensen bedurften noch des Abrichtens zwecks Erzeugung größerer Festigkeit gegen eine Beanspruchung auf Biegen und Knicken und des Ausmachens, bei welchem die noch graue Sense gehärtet und schließlich blau gefärbt wurde. Der dritte Schlag, der 1821 Franz Baumgartner für seinen Sensenhammer genehmigt wurde, war ein Kleinhammer, der einmal die ungehärtete graue Sense zu glätten und dann bei der gehärteten blauen Sense Glanz und Politur zu erzeugen hatte. In einer Übersicht vom 23. April 1839 wird er auch ausdrücklich als Polierhammer bezeichnet, während das fünfte Feuer, das Färbfeuer heißt, welches hier vom Abrichtfeuer getrennt erscheint 76 .
Franz Baumgartner, der den Blechhammer um 8000 Gulden erworben hatte, veräußerte das Werk nach erfolgtem Aufbau des Sensenhammers am 12. Februar 1822 um 16.000 Gulden an den Wolfsberger Gewerken Karl Stimpfl, der jedoch mit dem Betrieb in Schulden geriet und ihn schließlich am 8. Juli 1833 an die Wolfsberger Gewerken Alois und Josef Offner um 18.000 Gulden abgab. Diese bedeutenden Wolfsberger Unternehmer, vor allem Alois Offner, entwickelten das gemeinschaftliche Sensenwerk zu größerer Bedeutung. An die Stelle der alten, langwierigen Gärbmethode trat das vereinfachte Flammen- gärben. Die aus den Mock- und Stahlgarben gestreckten Schienen wurden nicht mehr getrennt in Rücken- und Schneidgarbe verarbeitet, sondern es kamen nur ganz wenige Schienen von Mock und Stahl zusammen in eine einzige Garbe, wurden verschweißt und zu einer langen Zeugstange ausgeschmiedet, an der die Stahlseite bezeichnet war. Seit 1875 begann man dann statt Gärbstahl zur Sensenerzeugung Tiegelgußstahl, teilweise auch Martin- oder Bessemerstahl zu verwenden. Nach 1897 bezog man dieses Rohmaterial sogar teilweise aus Schweden und Deutschland. Bei den Breithämmern trat eine Vereinfachung durch die Einführung auswechselbarer Hammerkerne ein. Das erleichterte das Schleifen der Hämmer sehr, ermöglichte ein schnelleres Breiten und eine höhere Tagesproduktion. Die Flammöfen wurden mit Glanzkohle geheizt statt mit Holzkohle;
76 J. Zeiti.inger : Sensen, Sensenschmiede und ihre Technik. Jahrbuch d. Ver. f. Landeskunde u. Heimatpflege i. Gau Oberdonau, 91, 1944, S. 91 ff.; Landesarchiv Klagenfurt: Berghauptmannschaft, Buch 582b.