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Karl Dinklage.
Edelputz, für Dachanstriche und Asphaltkitte, zur Grünfärbung antiker Gläser, zum Hervorbringen schöner Glanzeffekte bei der Erzeugung von Brokaten und Tapeten sowie besonders zur Ummantelung von Schweißelektroden verwendet. Das Unternehmen hat seit seiner Einrichtung im Jahre 1897 mehrfache Erweiterungen erfahren. Heute ist die Lavanttaler Montanindustrie-Gesellschaft besonders um die Rationalisierung des Betriebes mittels einer modernen Bunker- Misch- und Röstanlage bemüht. Der Abbau der glitzernden Erze (Bild 13), der ehedem noch in altertümlicher Weise mit Bohrer und Fäustel geschah, erfolgt seit 1939 mit Preßluft. Während im Jahre 1907 in Waldenstein 574 t Rohglimmerfarben gemahlen wurden, verzeichnete man 1937 einen Abbau von 1340 t Eisenglimmer, 1939 einen solchen von 1819 t, und 1951 einen Spitzenwert mit 2298 t 74 .
Die im späteren 15. und namentlich im 16. Jahrhundert durch die Tatkraft der Familie Freidl emporgekommene eisenverarbeitende Industrie der Stadt Wolfsberg aber hat in ihren wichtigsten Werken am Priel und an der Schwemmtratten sich über die Krisen der Zeit hinweg fest behauptet. Das verdankt sie in erster Linie der Spezialisierung auf bestimmte Qualitätserzeugnisse. Seit dem 17. Jahrhundert ist innerhalb der Stadt Wolfsberg zwischen Altstadt und Neustadt auf einer Lavantinsel etwas oberhalb der alten Lavantbrücke eine Hammerschmiede nachweisbar, die im späteren 17. Jahrhundert der Hufschmied Melchior Westiner innehatte, auf den 1693 Paul Pogatz und 1735 Jeremias Tempe folgten. Am 6. September 1756 erwarb von Tempes Witwe der Verweser des bambergischen Eisenhüttenwerkes zu St. Leonhard Johann Georg Schwaiger den Hammer und baute diesen zu einem Blechhammerwerk aus. Nachdem der Betrieb mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, übergab ihn Franz Karl Pauer, der ihn 1799 erworben hatte, am 11. August 1817 bestandsweise und am 30. Juli 1820 käuflich an den steirischen Gewerken zu St. Michael und Kaufmann zu Pettau Franz Baumgartner jun. Dieser kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die steirische Sensenerzeugung in Wolfsberg heimisch gemacht und damit der dortigen eisenverarbeitenden Industrie eine neue und bis heute wichtige Grundlage gegeben zu haben. Mit Hofkammerdekret vom 12. Mai 1821 erwirkte er die Genehmigung, seinen Blechhammer in einen Sensenhammer (Bild 14) umgestalten zu dürfen, in welchem auf steiermärkische Art mit fünf Feuern und drei Schlägen täglich 170 oder jährlich 50.320 neunhändige Sensen erzeugt werden durften. Jedoch war ihm verboten, Flößen zu zerrennen und sich auf diese Weise vielleicht den Stahl für seine Sensen selbst herzustellen 75 .
Die Ausstattung des Sensenwerkes zeigt, daß es von Anfang an größer und für die damalige Zeit sehr modern gedacht war; denn an sich hätte man nach den alten Sensenhammermethoden des 18. Jahrhunderts mit zwei Schlägen, dem Zain- und dem Sensen- oder Breithammer, und vier Feuern, nämlich dem Gärb- und Zainfeuer, dem Breitfeuer, dem Abrichtfeuer und dem Ausmachfeuer, das Aus-
74 B. Fritsch: Waldensteiner Eisenglimmer (erweiterte Fassung eines Aufsatzes in: Farbe und Lack, 56, S. 61); K. Dinklage u. A. Wakolbinger: A. a. O., S. 294.
76 Stadtarchiv Wolfsberg: A 9, 13, 16, 65; Landesarchiv Klagenfurt: Berghauptmannschaft, Buch 756, 766.