Aufsatz 
Alte Eisenindustrie im Lavanttal / von Karl Dinklage
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen

100

Karl Dinklage : Alte Eisenindustrie im Lavanttal.

die moderne Herstellung von Stahl im Tiegelguß-, Bessemer- und Martinver­fahren die überlebte Herdfrischerei unproduktiv erscheinen ließ 79 .

So hatten sich die beiden ältesten Hammerwerke Wolfsbergs, der Prielhammer und der Schwemmtrattenhammer, nun auf Sensen umgestellt. Der höchste Pro­duktionsstand auf diesem Gebiet wurde mit nahezu 1,000.000 Stück Jahres­erzeugung 1913 vor Beginn des ersten Weltkrieges erreicht. Man stellte auch Strohmesser, forst- und landwirtschaftliche Geräte her. Während des Krieges wurden Bajonette erzeugt. Eine weitere fabrikmäßige Produktionsstätte land- und forstwirtschaftlicher Geräte bildet seit 1918 das Zeughammerwerk Leon­hard Müller nächst Frantschach. Nach dem ersten Weltkrieg stellte sich das Sensengeschäft wieder stärker ein und nahm beachtliche Formen an, bis durch eine russische Einfuhrsperre seit 1928 das Hauptabnehmerland ausfiel. Die wirt­schaftliche Krise der dreißiger Jahre machte sich daher auf dem Gebiete der Sensenerzeugung besonders stark fühlbar. Während des zweiten Weltkrieges konnten viele Sensen in die besetzen Ostgebiete geliefert werden; nach 1945 mußte zunächst der Inlandsbedarf gedeckt werden, bis verschiedene alte Export­verbindungen wieder aufgenommen werden konnten. Doch erkannte Ing. Hans Offner, der seit 6. April 1904 das Sensenhammerwerk Schwemmtratten leitet und seit 11. Juni 1913 dessen Besitzer ist, die Notwendigkeit der Erweiterung seines Produktionsprogramms und nahm daher 1948 die Erzeugung aller Sorten von Stahlgabeln für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke auf, mit denen er vorwiegend den Inlandsmarkt bedient. Dieser Maßnahme kommt, wie man heute schon sagen kann, eine ebenso große Bedeutung zu wie der Aufnahme der Sensenproduktion in Wolfsberg im Jahre 1821. Damit ist eine gute Grund­lage für eine weitere Entwicklung der eisenverarbeitenden Industrie des Lavant- tales geschaffen, innerhalb deren Hans Offner heute auf eine zweihundert­jährige Familientradition zurückblicken kann, nachdem sein Ur-Ur-Großvater Johann Michael Offner am 26. November 1755 den Besitz des Hammerwerkes Schwemmtratten angetreten hat 80 .

79 Landesarchiv Klagenfurt: Landtafel, Buch 446, S. 172, 599; ebenda: Bezirks­gericht Klagenfurt, Verlässe, Fasz. 12, Nr. 166 (Nachlaß nach Josef Offner).

80 Lavanttal, Wirtschaftsperle Kärntens, ein Bericht über die geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung des Lavanttales bis zum Jahre 1951, herausgegeben v. Ploetz & Theiss, Wolfsberg, S. 48f.; Landesarchiv Klagenfurt: Bezirksgericht Wolfs­berg, Buch 84, Urbar-Nr. 3, K. Dinklage: 200 Jahre Johann Offner, Sensen- und Gabelfabrik, 17551955.