Aufsatz 
Die Entwicklung der Oxygenstahlverfahren / von O. Cuscoleca und H. Trenkler
Entstehung
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Die Entwicklung der Oxygenstahlverfahren

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blasen von oben Stahl zu erzeugen. Obwohl sie im Grundsätzlichen positiv verliefen, blieb ihnen die Betriebsreife versagt.

Die Kenntnis dieser Versuche und eigene Überlegungen österreichischer Ingenieure führten zu eingehenden Versuchen auf diesem Gebiet. Dabei lautete die Aufgaben­stellung, die Stahlerzeugung in Österreich durch ein Verfahren zu erhöhen, das nicht mehr Schrott als den Eigenanfall verbraucht und einen dem SM-Stahl mindestens gleichwertigen Stahl billig erzeugt. Die versuchsmäßige Erzeugung von Stahl in einem 2-, 5-, 10- und 15-1-Konverter durch Aufblasen von technisch reinem Sauer­stoff hat die technische und wirtschaftliche Durchführbarkeit gezeigt. In hunderten von Einzelergebnissen wurden die Erzeugungsbedingungen und die metallurgischen Vorgänge geklärt und die erzeugten verschiedenen Stahlqualitäten untersucht. Die

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Bild 5. Verwendungsbeispiele für Oxygenstahl.

Ergebnisse waren außerordentlich günstig und damit die Grundlage für den Bau der beiden ersten Oxygenstahl werke in Linz und Donawitz geschaffen.

Die Erfahrungen, die mit den beiden Großanlagen nach einem fast dreijährigen Betrieb gesammelt werden konnten, haben die in den Kleinkonvertern gewonnenen Erkenntnisse nicht nur bestätigt, sondern in Leistung und qualitativer Hinsicht übertroffen. Ungefähr 1,25 Mio Tonnen Oxygenstahl sind nach dem LD-Verfahren in Form von Feinblechen, Band, Schiffsblechen, Draht, Rohren, Stab- und Profil­eisen und Schienen erzeugt worden und haben sich in aller Welt bewährt. Auch das Problem der Entstaubung und damit Beseitigung der Rauchbelästigung wurde in Versuchsanlagen verschiedener Systeme studiert und brachte gute Lösungsmöglich­keiten. Die braunrote Rauchfahne der Sauerstoffkonverter wird daher wohl bald der Vergangenheit angehören.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung dieses in Österreich zur Betriebsreife ent­wickelten Verfahrens für unser Land geht eindeutig daraus hervor, daß in diesem Wirtschaftsgebiet eine Rohstahlerzeugung nach den bekannten klassischen Her­stellungsverfahren wohl niemals über eine Million Tonnen im Jahr hätte erhöht werden können, da hiefür die Rohstoffgrundlagen fehlten. Ferner gestattet dieses Verfahren die Erzeugung von bestem Stahl aus unserem Roheisen zu Herstellkosten,