Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken- Actiengesellschaft
Von
Universitätsprofessor Dr. Jakob Baxa, Wien
Mit 8 Abbildungen
Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft ist eine gemeinsame Gründung der beiden Industriellenfamilien Schoeller und Skene. Die Familie Schoeller, die aus Düren im Rheinland stammt, wo sie zuerst im Jahre 1250 urkundlich nachweisbar ist, faßte in Österreich im Jahre 1820 durch Gründung der Tuchwarenfabrik Gebr. Schoeller in Brüten Fuß. Am 20. Juli 1833 begründete Alexander Schoeller (1805 bis 1886) unter seinem eigenen Namen das weltbekannte Großhandlungshaus in Wien, das seit 1869 den Firmen Wortlaut „Schoeller & Co.“ führt. Neben einer Reihe von anderen Unternehmungen gründete er 1850 die Zuckerfabrik Czakowitz, 1853 eine Solche zu Czaslau und 1857 zu Wrdv.
Die Familie Skene entstammt einem alten schottischen Adelsgeschlecht, das urkundlich zuerst unter König Eduard I. im Jahre 1296 erwähnt wird. Philipp Wilhelm Skene, 1790 zu Köln geboren, war ursprünglich Soldat in der niederländischen Armee, dann Kaufherr zu Verviers in Belgien, das seit dem Wiener Kongreß (1815) zum Vereinigten Königreiche der Niederlande gehörte. Knapp vor Ausbruch der belgischen Revolution wanderte Skene im Jahre 1830 nach Österreich aus. Er ließ sich in Brünn nieder, wo er im Jahre 1833 eine Färberei und im Jahre 1841 eine Tuch- und Leinenfabrik begründete. Von seinen beiden Söhnen ergri ff der ältere, Alfred Skene (1815 bis 1887), zunächst wie sein Vater den militärischen Beruf. Er war ursprünglich österreichischer Dragoneroffizier, quittierte jedoch im Jahre 1846 den Dienst wieder, um sich der Leitung seiner industriellen Unternehmungen zu widmen. Von seiner Militärzeit her verband ihn eine vertraute Freundschaft mit dem Feldmarschalleutnant Johann Kempen, Freiherrn von Fichtenstamm, der in der Aera Bach von 1852 bis 1859 Polizeiminister war. Nach Wiedererrichtung des konstitutionellen Lebens in Österreich wandte sich Alfred Skene auch der politischen Tätigkeit zu. In den Jahren 1861 bis 1885 gehörte er dem österreichischen Reichsrat an und war eine anerkannte Autorität in Fragen der Zoll- und Handelspolitik sowie in allen Finanzfragen. Mit seinem jüngeren Bruder August Skene, der am 6. November 1829 zu Verviers geboren worden war und nach vollendeten Studien in die Firma