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Ludwig Erhard
Auf Grund dieser Erfahrungstatsachen läßt sich der Stufenbau der technischen Entwicklung zu folgender regulativen Begriffsbestimmung zusammenfassen:
Der technogenetische Leitsatz.
Die technische Entwicklung ist die im Bewußtsein wurzelnde, außerkörperliche Fortsetzung der unbewußten biologischen Entwicklung, wobei der Weg des Geistes die Menschheit aus der Abhängigkeit von den organischen Kräften und Gebilden stufenweise zur Beherrschung anorganischer Werkstoffe und Naturenergien unter steter Leistungssteigerung emporführt und dadurch eine Brücke zwischen Naturerkennen und Wirtschaftszwecken schlägt.
Die Technik steht demnach mit den beiden großen Kulturgebieten Naturwissenschaft und Wirtschaft in bleibender Wechselwirkung. Aus dem Naturerkennen schöpft sie Erkenntnisgrundlagen, vom Wirtschaftsleben bezieht sie zweckbetonte Aufgaben. Die Technik wirkt aber auch ihrerseits befruchtend auf die Entwicklung von Naturwissenschaft und Wirtschaft ein. Diese tiefgehenden Wechselbeziehungen bedingen die enge Verbundenheit der Technik mit dem allgemeinen Kulturgeschehen.
Der Aufgabenkreis der Technikgeschichte.
Als geeignetes Mittel, um das Wesen und Wirken der Technik in ihren Grundzügen zu erfassen, dient das Aufrollen der technischen Entwicklungsgeschichte im Sinne des oben dargelegten technogenetischen Leitsatzes. Eine sich an die biologische Betrachtungsweise anlehnende wissenschaftliche Einteilung vermag hierbei das schrittweise Vordringen der Forschung in die vielgestaltige Welt der Technik wesentlich zu erleichtern.
Die beiden Hauptabschnitte der biologischen Entwicklungslehre setzen sich zusammen aus der allgemeinen Stammesgeschichte und aus dem Werdegang der Einzelwesen oder, kürzer gesagt, aus Phylogenese und Ontogenese. Damit übereinstimmend treten in der technischen Entwicklung gleichfalls zwei verschiedene Arten von Reihen zutage, von denen die technischen Reihen die Stammesgeschichte großer Gesamtgebiete gleicher Bedarfsdeckung umfassen, w'ie z. B. die Entwicklung der Schiffahrt vom Einbaum bis zum Ozeandampfer, w r ogegen die technologischen Reihen den Werdegang einzelner technischer Gebilde vom Ausgangsstoff bis zum Enderzeugnis darstellen, wie z. B. die Anfertigung eines Messers in aufeinanderfolgenden Verfahrensstufen. — Die technischen Reihen bilden das eigentliche Rückgrat der Technik-Geschichte, aber auch die technologischen Reihen können mitklingende und ergänzende Aufschlüsse über jene Arbeitsverfahren erteilen, u r elche innerhalb einzelner Entwicklungsstufen vorherrschen. Für die technischen Anfangsstufen pflegt man überdies die bei den Naturvölkern gegenwärtig noch fortlebenden Zeugen urtümlicher Technik vorteilhaft zur Vergleichsprüfung heranzuziehen.
Wie ferner die Biologie bei den Naturgeschöpfen Leib und Leben unterscheidet,