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Karl Holey
man die Denkmale der Technik früher überhaupt nicht beachtet hätte oder auf ihren Schutz nicht bedacht gewesen wäre.
Viele Denkmale der Baukunst und gerade die größten sind zugleich auch Denkmale der Technik im vollen Sinne des Wortes, Zeugen gewaltiger Großtaten der Konstruktion. Die Pyramiden und Tempel der Ägypter, in denen sich die lastende Wucht der Materie in nie übertroffener Monumentalität vergeistigt, erforderten die Lösung vieler technischen Probleme, über die wir heute kaum völlige Klarheit haben; die Gewölbebauten der Römer sind vielfach reine Ingenieurkonstruktionen, bei denen die Größe der technischen Leistung manchmal die rein künstlerische Seite des Raumproblems übertrifft ; und die Entmaterialisierung der Materie in den gotischen Konstruktionen ist nur möglich bei einem vollkommenen Eindringen des Geistes in die technischen Eigenschaften der Materie und bei einem vollendeten Beherrschen des Spieles der in ihr wirkenden Kräfte. So sind viele unserer Baudenkmale eindrucksvolle Zeugen der Technik. Aber auch Bauwerke, die wir heute als reine Ingenieurbauten betrachten, die Straßen- und Wasserbauten, Brücken und Wasserleitungen der Alten, vornehmlich der Römer und auch schon der Ägypter, haben seit langer Zeit die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Menschen erregt und man hat ihnen als Geschiehtsdenkmale Schutz angedeihen lassen. Wenn trotzdem der Begriff des technischen Denkmales und die Schutzbestrebungen erst aus jüngster Zeit stammen, so sind dafür psychologische Gründe maßgebend, die sich aus dem Verhältnis des Menschen zu den Werken der Technik ergeben, und Gründe, die in der besonderen Eigenart der technischen Denkmale liegen.
Es ist eine Tatsache, die in diesem Zusammenhang gewürdigt werden muß, daß der naive Mensch die Werke der Technik stärker erlebt als die Werke der Kunst. Im Leben des Kindes sind die Eisenbahn, die elektrische Straßenbahn, das Auto, das Flugzeug Erlebnisse, die stark und nachhaltig wirken, viel stärker und nachhaltiger als Eindrücke durch Bild, Wort und Ton. Sie beherrschen die Vorstellungswelt des Menschen oft weit über das erste Kindesalter hinaus. Auf die primitiven Völker ist der Eindruck der Werke der Technik so tiefgehend, daß sie in der Vorstellungswelt der Wirklichkeit keinen Platz dafür haben und sie in die Welt des Übernatürlichen, in die Welt der Götter und Dämonen versetzen. Kein Kunstwerk hat je solche elementare Gefühlsausbrüche von Staunen und Bewunderung, Furcht und Freude hervorgerufen wie der Anblick noch nie gesehener technischer Werke. Hier muß auch bemerkt werden, daß das, was der naive Mensch am Kunstwerk bewundert, meist das Technische ist, die Art der Herstellung, die Schwierigkeit der Ausführung und nicht das eigentlich Wesentliche des Kunstwerkes, die künstlerische Idee, die Seele des Kunstwerkes. Aber diese starke Wirkung des technischen Werkes ist doch nur beim naiven Menschen zu verzeichnen, oder nur solange, als der Mensch dem Werke naiv gegenübersteht. Sehr bald wird das, was im Anfang ein ungeahntes Wunder schien, etw r as Alltägliches, das Unbegreifliche wird zum Selbstverständlichen. Durch einen Hebeldruck, den jedes Kind betätigen kann, wurden ungeheuere Naturgew r alten gebändigt und dienstbar gemacht, durch den einfachen Druck auf einen Taster wurden gewaltige Energiemengen frei oder vernichtet, wir heben das Hörrohr ab und sprechen mit der ganzen Welt, wir drehen