Aufsatz 
Der Schutz der technischen Denkmale Österreichs / von Karl Holey
Entstehung
Seite
27
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Der Schutz der technischen Denkmale in Österreich. 27

einen Knopf und hören die ganze Welt, das alles ist alltäglich, selbstverständlich und scheint kinderleicht. Wir alle bedienen uns im täglichen Leben der schwierigsten technischen Einrichtungen und werden uns des Wunderwerkes der technischen Er­findungen gar nicht bewußt. Diese Einstellung führt dazu, daß das, was anfänglich so überraschend schien, gar nicht mehr beachtet wird. Das aber, was nicht mehr beachtet wird, wird bald gering geschätzt und schließlich verachtet. Freilich kann diese Einstellung nur so lange andauern, als die Einsicht in das Wesen des technischen Werkes mangelt oder nicht tief genug ist. Für den, der Einblick in das Geheimnis des Wesens der Technik hat, wird die anfängliche staunende Über­raschung zu einer immer tiefer werdenden Ehrfurcht vor dem menschlichen Geiste, der all das ersann und in die Tat umsetzte und heute, wo das Verständnis für technisches Denken und technisches Schaffen in immer weitere Kreise dringt, greift eine ganz andere Einstellung zu den Werken der Technik Platz. Nicht mehr der bloße äußerliche Überraschungserfolg wirkt auf den Menschen, sondern die innere Verbundenheit des Menschen mit den Geheimnissen der Kräfte der Natur werden in den Werken der Technik offenbar. Diese neue Einstellung erklärt uns vom psychologischen Gesichtspunkt aus, warum wir erst heute unsere Anteilnahme den technischen Denkmalen zuwenden und an ihren Schutz denken.

Auch andere Gründe, die in der Eigenart der technischen Denkmale beruhen, erklären das späte Einsetzen des Interesses für die technischen Denkmale.

Jedes Werk der Technik beruht auf einer neuen Erkenntnis der Naturkräfte und der Eigenschaften der Stoffe, und diese Erkenntnis wird zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse nutzbar gemacht. Jedes Werk der Technik dient einem Zweck, der so vollkommen als möglich erreicht wird. Jede neue technische Er­findung, die zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses diente, erweckt aber wieder eine große Zahl neuer Bedürfnisse, zu deren Befriedigung neue technische Werke entstehen, die, immer vollkommener werdend, das ältere technische Werk überflüssig und zwecklos machen. Ein Ausdruck, der aus der Technik stammt, kenn­zeichnet diese Bewertung einer veralteten technischen Erfindung, man sagt, sie wird zum alten Eisen geworfen, sie findet keine Beachtung mehr, die Geringschätzung geht so w'eit, daß das alte Werk der Vernichtung preisgegeben wird. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Werk der Technik und dem Kunstwerk. Ein Werk w r ahrer Kunst veraltet nie, es bleibt, auch w r enn es Jahrtausende alt ist, immer eine Höchstleistung, die nicht überboten werden kann, seine Wirkung ist nach tausend Jahren immer noch die gleiche und starke wie zur Zeit seiner Entstehung. Der künstlerische Wert veraltet nicht, er bleibt lebendig und das Kunstwerk wird seiner Bestimmung in allen Zeiten und bei allen Menschen, die empfänglich für Kunst sind, gerecht werden. Welchen Wert hat nun das Werk der Technik und welchen Wert wollen wir an dem technischen Denkmal schützen. Der unmittelbare und eigentliche Wert des technischen Werkes ist der Gebrauchswert. Dieser Wert aber ist, wie wir gesehen haben, rasch vergäng­lich, in den meisten Fällen besteht er in kurzer Zeit nicht mehr. Der Gebrauchswert also kann nicht schützenswert sein. Viele technische Werke besitzen einen künst­lerischen Wert und sow'eit dieser in Frage kommt, ist es nicht notwendig, neue Schutzbestimmungen anzustreben, denn künstlerische Werte genießen in allen