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Josef Fuglevicz!
Nach dem Zusammenbruche der Donaumonarchie 1918 verblieb bloß das deutsche Kernland. Die neue Republik Österreich umfaßt nur noch die Alpenländer im Ausmaße von 83833 qkm mit rund 6500000 Einwohnern, wovon fast 2000000 auf Wien entfallen. Der Nährboden Ungarns, Böhmens und Mährens ging für Österreich verloren, die großen Verkehrslinien und Seehäfen wurden abgeschnitten und die wichtigsten Kohlendistrikte gingen auf die Nachfolgestaaten über. Neue Zollmauern beraubten die bedeutendsten Industriewerke Österreichs ihres Absatzgebietes. Aber eines ist dem zusammengeschrumpften, verarmten Österreich doch noch geblieben: die wirksamen Geisteskräfte und der ungebrochene Arbeitswille seines Volkes.
Bald nach dem Kriege, als die österreichische Landwirtschaft fast nur noch über Wald- und Weideland und Almen verfügte, ging man zu einer intensiven Forst- und Holz Wirtschaft über, der sich die Papierfabrikation anschloß; man erzeugte ferner ausgezeichnete Molkereiprodukte und errichtete Zuckerfabriken, die den gesamten Inlandsmarkt decken. Zum teilw'eisen Ersatz der verlorengegangenen Steinkohle wurde ein wuchtiges Trocken- und Veredlungsverfahren für die verbliebene minderwertige Braunkohle eingeführt und mit Feuereifer gingen die österreichischen Ingenieure daran, die „weiße Kohle“, die von den Gletschern gespeisten Wasserkräfte des Hochgebirges, auszubauen. Um den Verkehr in den herrlichen Alpenländern zu heben, wurden zahlreiche Straßen neu angelegt und ein reger Kraft- wugenverkehr ins Leben gerufen. Drahtseil-Schwebebahnen für den Personentransport erklimmen nunmehr die höchsten Bergspitzen. Die Luftfahrt, die drahtlose Telegraphie und der Rundfunk, die den österreichischen Erfindern grundlegende Neuerungen zu verdanken haben, finden eifrige Pflege und allerorts sind in Österreich die Ingenieure am Werk, um das darniederliegende Wirtschaftsleben wieder neu aufzurichten.
In den nachstehenden Abschnitten sollen einige technische Leistungen Österreichs aus dem letzten Jahrhundert angedeutet und „Österreich als Ingenieurland“ in knappen Zügen dargestellt werden.
Das Bergwesen Österreichs.
Von
Prof. Ing. Josef Fuglevicz, Leoben.
Österreich besitzt, abgesehen von einigen kleineren Vorkommen jüngerer Steinkohle in Niederösterreich, nur Braunkohlenvorkommen, welche der österreichischen Industrie den gänzlichen Verlust der großen Steinkohlenvorkommen ersetzen müssen. Die pliozäne Braunkohle im Hausruckgebirge wird durch die Wolfsegg-Traunthaler-Kohlenwerks A.-G. in einem Großbetrieb ausgebeutet. In der Steiermark, w r o die Braunkohle für metallurgische Zw r ecke als Generatorkohle herangezogen werden muß, ist durch Prof. Dr. Fleissneb eine Veredlungsart eingeführt w r orden, welche für Lignite überhaupt das gegebene Veredlungs verfahren zu sein scheint. Danach wmrde im Jahre 1927 von der Österreichischen Alpinen-