Aufsatz 
Österreich als Ingenieurland
Entstehung
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Eduard Merlicek: Österreichs Wasserbau.

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In der Zeit von 1880 bis 1930 vollzieht sich in Österreich gleichwie in anderen Ländern die Modernisierung der gesamten Eisenindustrie in steter Fortentwicklung und es ergeben sich für diese Zeit in den einzelnen Gebieten der Eisenindustrie folgende bemerkenswerte Einführungen.

Auf dem Gebiete der Roheisenerzeugung erfolgte die Umstellung des Hochofenbetriebes vom Holzkohlen- zum Koksbetrieb, allerdings in Österreich erst später als in anderen Ländern, da hier einerseits der Waldreichtum, anderseits die besondere Berücksichtigung der guten Qualität des Holzkohlenroheisens ver­zögernd wirkte. Aber schon zur Jahrhundertwende wies ein steirischer Hochofen der Österreichischen Alpinen-Montan-Gesellschaft mit 4001 Tagesleistung die Höchstleistung von Europa auf, die allerdings später überholt wurde. Auf dem Gebiete der Stahlerzeugung wurde in Österreich der Roheisen-Erz-Prozeß zuerst eingeführt und die Grundlage zur Entwicklung der Groß-Martin-Öfen durch die Erfindung der Kerpely-Generatoren geschaffen. Von Kupelwieser ging 1878 der erste Vorschlag aus, das flüssige Roheisen direkt vom Hochofen auf Stahl zu verarbeiten, der tatsächlich auch erstmalig mit Erfolg in Witkowitz durchgesetzt wurde und von da sich über die ganze Welt verbreitete. Im Gegensatz zu den anderen Ländern Europas war schon im Jahre 1883 in Österreich die Flußeisenerzeugung höher als die von Schweißeisen. Neben der Großproduktion wird auch die Quali­tätsstahlerzeugung besonders gepflegt und die Produkte der großen öster­reichischen Edelstahlfirmen, wie Böhler-Stahlwerke, Schoeller-Bleckmann-Stahl­werke A.-G. u. a., die in der ganzen Welt bekannt sind, zeigen deutlich die Aus­wirkung hochwertiger technischer Leistungen. Hier entwickelte sich zuerst die Tiegel-Gußstahl-Erzeugung zu höchster Blüte, wird aber von 1908 ab langsam durch die Elektro-Stahlerzeugung verdrängt. Bei den Edelstahlwerken wurde der Elektro­betrieb besonders auch für Glüh- und Vergütungszwecke mit Erfolg ausgebildet. 1

Die zähe, nie erlahmende Arbeitstätigkeit der österreichischen Hüttenleute bürgt dafür, daß auch in der kommenden Zeit die österreichische Eisenindustrie hervorragende fachliche Leistungen aufweisen wird.

Österreichs Wasserbau.

Von

Ministerialrat Ing. Eduard Merlicek.

Wollte man Österreich in seiner Bodengestaltung und im Gewässerzuge ganz kurz kennzeichnen, so könnte man das an sich den größten Raum einnehmende (Jewässernetz der Donau herausgreifen und hier wieder die beiden gegensätzlichen Endpunkte, das Hochgebirge der Alpen und die Talniederung an der Einmündung der March, das Marchfeld, dem als letzte Ausläufer der Alpen der Wiener Wald vorgelagert ist, an dessen Fuße die Hauptstadt Wien liegt.

Der hervorgehobene Gegensatz zwischen dem Hochgebirge und der Talweitung hat der Kulturgeschichte des Landes manches Merkzeichen aufgeprägt, so wie

1 SieheZur Geschichte <les österreichischen Edelstahles, S. 103.