Österreichs "Wasserbau.
39'
rungenschaften, die Maschine zur künstlichen Hebung des Wassers auf beliebige Höhen und die Erfindung der künstlichen Filterung.
Und selbst als der Gemeinderat Wien im Dezember 1861 eine öffentliche, auch an ausländische Fachleute gerichtete Ausschreibung zur Erlangung von Vorschlägen für die Wasserversorgung Wiens veranstaltete und hiebei ausdrücklich betonte, daß einem aus den Gebirgen herleitbaren Wasser vor dem aus der Donau zu entnehmenden der Vorzug gegeben würde, enthielten die 14 eingelangten Anbote doch noch Vorschläge, die Aufgabe durch künstliche Hebung und Filterung des Donauwassers zu lösen. Andere Vorschläge, die von einer künstlichen Hebung Abstand nahmen, verlegten sich auf die Zuleitung von Flußwasser aus höheren Gebieten, unterirdischer Quellen aus dem Bereiche des Wr.-Neustädter Steinfeldes, des Quellwassers der Fischa-Dagnitz, und dergleichen Maßnahmen mehr, die angesichts der werdenden Großstadt einen geringen Weitblick aufwiesen. All diese Vorschläge kennzeichnen eben in ihrer Gesamtheit den damaligen Stand der Technik auf dem Gebiete der städtischen Wasserversorgung, man kann wohl sagen, in der ganzen Welt, denn namhafte Fachleute aus London und Paris waren unter den Anbietern vertreten.
Die Angelegenheit ist in ganz anderer Weise zum Abschluß gelangt. In der Gemeinderatssitzung vom 10. Juni 1864 konnte Professor Eduard Suess berichten, daß die Wasserleitungskommission nach eingehenden Erhebungen und gründlicher Prüfung der ganzen Frage vorschlage, mehrere ergiebige Quellen aus dem Kalkalpengebiete Rax-Schneealpe, aus einer Entfernung von rund 100 km, im natürlichen Gefälle in drei Hochbehälter zu bringen und von hier zu verteilen. In einer zweiten denkwürdigen Sitzung vom 19. Juni 1866 faßte der Gemeinderat den Beschluß, den inzwischen baureif gewordenen Entwurf anzunehmen. So hat denn die Gemeinde Wien, an ihrer Spitze der Bürgermeister Dr. Andreas Zelinka, in schwerster Zeit, in zwei Kriegsjahren, den Grund gelegt für die erste Hochquellenleitung Wiens, die zu einer einheitlichen Versorgung der ganzen Stadt mit dem besten Wasser führen sollte. 1873 war das große Werk im ersten Ausbau vollendet ; in seiner neuzeitlichen Art kann es zugleich auch die erste Hochquellenleitung der Welt genannt werden. Grundsätzlich ist es aber nach römischem Vorbilde angelegt.
Den einmal betretenen Weg hat die Gemeinde nicht mehr verlassen. Im Jahre 1897 wurde die Erweiterung der ersten Hochquellenleitung vollendet und 1910 ist eine zweite Hochquellenleitung aus einem noch entfernteren Alpengebiete angeschlossen worden. 1
In den Alpen sehen war schon im Mittelalter einen bodenständigen Wasserbau entwickelt. Die unwegsamen, aber waldreichen Berge drängten zu einer Verwertung der Wasserläufe für die Förderung des Holzes, zur Triftung und Flößerei; die Wasserwege waren jedoch vielfach gehemmt durch Wassermangel oder durch andere örtliche Schwierigkeiten. So entstanden zahlreiche Stauwerke, Klausen, die das Wasser aufstauen und zur Erleichterung der Triftung durch Schleusen ab-
1 Ausführlicher in dem Aufsatz „Beiträge zur Geschichte der österreichischen Wasserwirtschaft“, S. 154.