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Eduard Merlicek
schwemmen, dann Triftrechen, Wehranlagen mit Floßgassen, die aber nicht nur dem Holztransport allein dienen, sondern auch Triebwerken zu mannigfachen gewerblichen Zwecken. Viele solche Anlagen entstanden zur Holzbringung für die Salinen und im größeren Umfange, mit Schiffahrtskanälen verbunden, für den Salztransport von Hallstatt zur Donau.
Die besondere Bautechnik, die zur Regelung der Gebirgsge wässer erforderlich war, die Herstellung von Kasten-, Schrott- und Senkwerken, wie überhaupt die Bauten aus Reisern, Faschinen und Balken, haben ihre Heimstätte im eigenen Lande und fanden, vom Salzkammergute ausgehend, große Verbreitung.
Zu der Wegbahnung auf den Alpengewässern kommt noch ein zweiter Beweggrund für die Entwicklung des Wasserbaues: Die Veränderungen, die Luft und Wasser an den Berghängen und Flußufern verursachen, machen sich bei dem wechselnden Hochgebirgsklima ganz gewaltig bemerkbar. Sie bilden eine stete Sorge der Bergbewohner, da selbst Bäche, sonst still und harmlos, jählings anwachsen, mit wildem Toben Fels und Bäume und Gischt talabwärts schieben und das Bachbett verlegen, so daß die murige Flut über die mit harter Arbeit bestellten Felder einbricht, Gehöfte, Hab und Gut unter riesigen Schuttmassen begrabend. Die Bewohner, auf Selbstschutz angewiesen, übten sich die Jahrhunderte fort in der Errichtung von Ufersicherungen und Talsperren, kurz in der Verbauung von Wildbächen, so gut es ihre Kräfte ermöglichten. In einigen Gegenden kam auch der Staat zu Hilfe, wie z. B. unter Maria Theresia nächst Windisch-Matrey in Tirol am Bretterwandbach, wo vier Talsperren teils aus Holz, teils aus Stein erbaut wurden.
Was den Bergländern nottat, kam in einem klassisch geschriebenen, zu Innsbruck 1826 und dann 1834 erschienenen Buche zum Ausdruck durch Josef Duile, unter dem Titel ,,Über Verbauung der Wildbäche in den Gebirgsländern“. Diese Schrift ist so gediegen, die Grundsätze des Gegenstandes klar umfassend und dabei von einer Vaterlandsliebe durchglüht, daß es wundernehmen muß, wie wenig sie damals die berufenen Kreise erwärmt, wie wenig sie Verständnis oder selbst nur Wachsamkeit geweckt hat, gar nicht zu reden von dem mehr als bescheidenen persönlichen Erfolge, der ihrem Verfasser in seinem Vater lande beschieden war. 1
Seine Autorität hat entschieden bei den Nachbarn größere Wertschätzung gefunden; die Schweizer haben seine Ratschläge oftmals bei der Ausführung von Wildbachverbauungen eingeholt. Der von Professor C ulmann in Zürich an den Bundesrat erstattete umfassende Bericht über die schweizerischen Wildbäche kann als eine ehrende Denkschrift für Duile bezeichnet werden.
Duiles Wildbachverbauungen sind in der Schweiz vielfältig erprobt worden
1 Josef Duile, zu Graun im Vintschgau am 19. September 1776 geboren, trat nach beendetem Studium an der Innsbrucker Universität 1798 als Baupraktikant in die Dienste der dortigen Statthalterei, ging nach 45 Dienstjahren in der Stellung eines ersten Baudirektionsadjunkten in den Ruhestand und starb 86 Jahre alt zu Innsbruck im Jahre 1863; ein echter Sohn der Berge, geradeaus und kurzweg, voll Schaffensfreudigkeit und Arbeitslust, die er leider in der Heimat wenig befriedigt fand. Er führte Talsperren, Verbauungen, aber vornehmlich Flußregulierungen aus, verfaßte zahlreiche Projekte, wovon aber nur ein Teil zur Ausführung gelangte.