Österreichs Wasserbau
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und erreichten dort bei fortschreitender Bautechnik einen hohen Grad der Vollkommenheit. Sie verbreiteten sich von dort aus nach anderen Gebirgsländern, und auch Österreich wandte sich nun ihrer Pflege eifriger als früher zu, besonders nach der Gründung des staatlichen Meliorationsfonds (1884), durch den auch die Wildbachverbauungen besonders berücksichtigt wurden. 1 )
Da der Hauptstrom, die Donau, zum Großteil von den unsteten Alpengewässern gespeist wird, unterliegt auch seine Wassermenge naturgemäß großen Schwankungen; diese Schwankungen brachten einerseits Überschwemmungen, die sich besonders in Wien zu schweren Katastrophen gestalteten, anderseits hatte die Schiffahrt in Zeiten der Niederwässer mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die seit dem Jahre 1830 bestehende Donau-Dampf schiff ahrts-Gesellschaft hatte die Regierung wiederholt auf die Vorgefundenen Übelstände aufmerksam gemacht und besonders grobe Schwierigkeiten einzelner Örtlichkeiten im eigenen Wirkungskreise und auf eigene Kosten behoben oder wenigstens teilweise verringert.
Die verheerende Überschwemmung des Jahres 1862 wies jedoch gebieterisch auf die Notwendigkeit hin, die Donau im Bereiche der Haupt- und Residenzstadt Wien nach einem einheitlichen Plane derart zu regulieren, daß nicht nur Überschwemmungen dauernd verhütet, sondern auch die Bedingungen für einen gesicherten Lade- und Umschlagsverkehr und für die Anlage fester Brücken über die Donau zur besseren Verbindung des Nordens und des Südens der Monarchie geschaffen würden. Diese Aufgaben mit einer Annäherung des zusammengefaßten Stromes an die Reichshauptstadt zu verbinden, war eine kühne Idee, deren Ausführung ein hochbedeutsames, riesiges Ingenieurwerk darstellt. Die Arbeiten wurden durch die Donau regulier ungskom mission unter gleichmäßiger Kostenbeteiligung des Staates, des Landes Niederösterreich und der Gemeinde Wien im Jahre 1870 bei Wien mit der Herstellung eines künstlichen Bettes von 6640 m Länge begonnen, das später auf 13270 m verlängert und in einer Normalbreite von 285 m für niedrige und mittlere Wasserstände, für Hochwässer auf 760 m Breite ausgehoben wurde. Die Tiefe der Sohle unter dem Nullwasserspiegel, der allerdings schon einen mittleren Wasserstand darstellt, beträgt 3,20 m, während sich das Hochwasser noch um 3,80 m darüber erheben kann, so daß die gesamte Wassertiefe bei Hochwasser 7 m beträgt. Hiezu kam der Bau des Freudenauer Hafens, der als Winterhafen angelegt und im Jahre 1902 fertiggestellt wurde, dann der Kuchelauer Hafen, als Warte- und Schutzhafen, der im Jahre 1903 vollendet wurde, und der Ausbau des Donaukanals, der durch die Anlage von Wehren und Kammerschleusen derart reguliert wurde, daß dadurch ein Flußlauf mit gleichmäßigem Wasserstande, ein Hafen inmitten der Stadt geschaffen wurde. Gegen die Überschwemmung vom Strom her war die Stadt schon seit der Errichtung des 1867 vom Baudirektor J. v. Duras entworfenen und 1873 unter der Leitung W. v. Engerths vollendeten Nußdorfer Sperrschiffes verschont geblieben.
Eine große Erleichterung für die Schiffahrt bedeuteten auch die Arbeiten an der oberösterreichischen Donau, am Struden bei Grein, wo vom Jahre 1890 angefangen zwischen den zutage tretenden Felsmassen ein Schiffahrtskanal von
1 J. G. Sciiöx, Über Strassen- und Wasserbaü der Alten, Wien 1885.