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Eduard Merlicek: Österreichs Wasserbau.
SO m Breite und 3 m Tiefe unter Null ausgehoben und dadurch zur Erreichung einer größeren Fahrtiefe die Niedrigwässer eingeschränkt wurden.
Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß der Schiffsverkehr in Wien durch den Bau künstlicher Wasserstraßen eine ganz gewaltige Förderung erfahren hätte, daß insbesondere die billige Zufuhr von Kohlen für die in Wien ansässigen Industrien, also auch für die Stadtgemeinde Wien als Besitzerin der Gas- und Elektrizitätswerke, von großem Vorteil gewesen wäre.
In dieser Hinsicht ist aber Österreich nicht so glücklich gewesen wie in der Erschließung sonstiger großer Verkehrswege. Immerhin ist es von geschichtlichem Wert, wenigstens die denkwürdigsten Bestrebungen zu verzeichnen, die in der Vergangenheit auf den Ausbau künstlicher Schiffahrtskanäle gerichtet waren;
geht doch aus einer solchen Rückschau hervor, daß der schaffende Geist in diesem Lande immer rege und immer bereit war, die Gelegenheit für die Verwertung technischer Neuerungen zu erfassen.
Die erste Gelegenheit, die für ein österreichisches Wasserstraßennetz gekommen war, hat der Ingenieur F. J. Maire in der nachdrücklichsten Weise aufgezeigt. Er hat einen Entwurf für ein großes österreichisches Kanalnetz ausgearbeitet, das von einem äußersten Ende der Monarchie bis zum anderen reichen, die schiffbaren Flüsse, das Adriatische Meer, die Nord- und Ostsee und die niederländischen Kanäle miteinander verbinden sollte. Im Jahre 1786 hat Maire das Ergebnis seiner Studien in einem geistreichen Werke „Bemerkungen über den innern Kreislauf der Handlung in den österreichischen Erbstaaten“ veröffentlicht und seine Vorschläge geschichtlich, handelspolitisch und technisch eingehend begründet. Schon damals hat Maire die Überzeugung ausgesprochen, daß dem Handelswege mittels der Donau nach dem Schwarzen Meere keine große Zukunft bevorsteht. An der Spitze seiner Vorschläge steht ein Kanal von Porto-Re nach Wien. Dieser Kanal sollte das Adriatische Meer mit der Kulpa, Save, Drau, Mur und Raab verbinden und die „Gemeinschaft zwischen dem Neusiedlersee und der Stadt Wien“ herzustellen.
Mehrere Jahre später ist ein kleiner Teil des großzügigen Planes zur Ausführung gelangt. Der Wiener Kanal oder Wiener-Neustädter Kanal, wie er jetzt auch genannt wird, wurde vom Jahre 1798 angefangen durch die k. k. priv. Canal- und Bergbau-Compagnie angelegt, um zur Ersparung des teuren Brennholzes die Braunkohlenlager um Ödenburg und Neustadt mit Wien zu verbinden. Der Kanalbau sollte bis Triest fortgeführt werden, geriet aber durch die napoleo- nischen Kriege ins Stocken. 1821 wurde die geplante Fortsetzung aufgegeben und der ausgebaute Kanal einen! Wiener Handelshause übergeben. Bald hat die
Abb. 3i. Schleusentreppe des Wiener Kanals ‘ bei der Tierarzneischule.
Graphische Sammlung Albertina.
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