Aufsatz 
Österreich als Ingenieurland
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen

Friedrich Frock: Österreichs Energiewirtschaft.

43

Eisenbahn diesen Kanal überholt, da er, dem damaligen Stande der Verkehrstechnik entsprechend, nur für ganz kleine Schiffsladungen angelegt war.

Die neueste Wasserstraßentechnik bringt Anlagen für Schiffe von 1200 1 Ladegewicht und darüber, und diese gewaltigen Schiffahrtswege vermögen nun wieder die Eisenbahnen an Frachtersparnis zu überflügeln. Zudem werden die in den Gebirgsstrecken der Kanäle zu überwindenden Gefälle in wirtschaftlicher Weise für die Ausnützung von Wasserkräften herangezogen, wodurch die Ertragsfähigkeit solcher Kanäle von vornherein um ein bedeutendes Maß erhöht ward. Wir denken hier an die Verbindung der Donau mit der Rheinschiffahrt über den Main und über den Bodensee, die für die Zukunft Österreichs eine ungeahnte Bedeutung in sich schließt. Mit dem Gedanken an diesen neuen Wasserstraßen­plan wollen wir unseren Blick zugleich zu neuer Hoffnung erheben: Möge Österreich, das Land reicher technischer Ideen, auch wieder die Kraft finden, sich für das große Ereignis werktätig zu rüsten und die Donau für den Einzug der mächtigen neuen Kanalschiffe auszubauen! Dann wird die Verbindung mit den Industriegebieten Deutschlands und der Schweiz zugleich der Anlaß sein, die oftmals bekundete und auch betätigte Verbundenheit der Alpen mit der Donau und der alten Donau­stadt noch um einen Verkehrsweg ersten Ranges zu vermehren.

Österreichs Energiewirtschaft.

Von

Generaldirektor Ing. Friedrich Brock.

Die alte Donaumonarchie war mit Energiequellen wohl versorgt. Wasserkraft, Kohle und Rohöl standen in reichem Ausmaße zur Verfügung und die Industrie hat sich da angesiedelt, wo diese Kraftquellen ihren Zwecken am rationellsten nutzbar gemacht werden konnten.

An den Flußläufen wurde meist in parallel laufenden Werkskanälen das Gefälle in hintereinanderliegenden Stufen hauptsächlich zum Betriebe von Mühlen,Papier­fabriken und Textilwerken ausgenützt ; Eisen- und Stahlwerke sind am Fundorte der Kohle entstanden, während die Maschinenindustrie und andere Industrien, wenn sie nicht durch das Vorkommen ihrer Rohprodukte an eine bestimmte Ört­lichkeit gebunden waren, sich in den Städten angesiedelt haben und ihren Kraft- bedarf kalorisch meist durch Dampfanlagen decken mußten.

Speziell die letztgenannten Betriebe haben in dem Bestreben nach größt­möglicher Wirtschaftlichkeit dazu geführt, die Dampfmaschine auszubauen und ihren Wirkungsgrad zu erhöhen.

Österreichische Ingenieure haben auf diesem Gebiete sehr verdienstvoll ge­arbeitet, unter ihnen besonders Professor Rudolf Dörfel und am erfolgreichsten Ingenieur Alfred Oollmann, ein geborener Wiener, dessen Ventilsteuerung aus­gedehnteste Anwendung gefunden hat. Tausende Maschinen mit einer Summen­leistung von über 1 Million PS sind mit der CoLLMAXNschen Ventilsteuerung aus­geführt worden.