Aufsatz 
Österreich als Ingenieurland
Entstehung
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Das österreichische Verkehrswesen

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Wagen mit schnellaufendem Motor kleineren Zylinderinhaltes überging und den ,,Alpenwagen schuf. Sie allein erzeugte bei Ausbruch des Weltkrieges einen brauch­baren Vierradantrieb, Schienenautomobile und benzin-elektrische Wagen. Mit diesen zum Vielachsenantrieb besonders geeigneten Bauarten ist es möglich gewesen, die schwersten Lasten bis zu 35 t fortzubewegen, die je ungeteilt auf Straßen befördert wurden. Auch die ersten Entwürfe für Kraftwagen mit Schwingachsen und mit Rohrrahmen sind in Österreich entstanden.

Der rasch zunehmende Kraft wagen verkehr erfordert gebieterisch den Ausbau des österreichischen Straßennetzes und insbesondere staubfreie Fahrbahnen mit kleiner Querneigung und glatter Oberfläche. Trotz seiner Wirtschaftsnot baut Österreich seine Bundesstraßen nach einem im Jahre 1926 aufgestellten Arbeits­plan neuzeitlich aus: Zunächst werden die Fernstraßen, die den Durchgangsverkehr vermitteln, und jene Straßen neu angelegt oder verbessert, die durch die herrlichen Alpenlandschaften führen und namentlich auch dem Fremdenverkehr dienen. 1

Für diesen planmäßigen Ausbau wurden 1928 bis 1931 je 11000000 S auf­gewandt und rund 490 km neuzeitlich instandgesetzt. Zur Anwendung kamen hiebei Groß- und Kleinpflaster, Asphalt- und Teermischbeläge sowie Beton und Silikat.

Schiffahrt. Auf der Erfindung der Schiffsschraube durch den Österreicher Josef Ressel, dessen SchiffCivetta im Jahre 1829 die Adria befuhr, beruht die ganze großartige Entwicklung der Dampfschiffahrt. Bis 1918 hatte Alt-Österreich eine angesehene Stellung unter den seefahrenden Ländern. Die auf den Werften in Triest und Pola erbauten Schiffe waren denen der führenden schiffbautreibenden Länder ebenbürtig. Besonders um den Bau von Kriegsschiffen hat sich der General­ingenieur Josef Popper von 1890 bis 1907 große Verdienste erworben. Schiffbau­ingenieur Fritz Franz Maier hat dieMaier-Schiffsform entwickelt, die infolge Verringerung des Widerstandes erhöhte Geschwindigkeit und Kohlenersparnisse (bis zu 20 v. H.) erzielt. Xach ihr sind zahlreiche größere Neubauten sowohl in Deutschland wie in England ausgeführt worden. 2

Im Binnenschiffbau haben die Werften der Ersten Donau-Dampfschiffahrts­gesellschaft in Korneuburg und Budapest während ihres nunmehr hundertjährigen Bestandes maßgebend gewirkt. Mit einem Schiffspark von 142 Personen? und Zugdampfern mit insgesamt 65000 PS und 850 Warenbooten mit insgesamt 480000 t Tragfähigkeit war die Gesellschaft im Jahre 1914 das weitaus größte Binnenschiff­fahrtsunternehmen der Welt. Die Konstruktion der Schiffskessel nach dem Patent des Oberingenieurs der Gesellschaft Emil Andreae vom Jahre 1857 bedeutete mit dem Übergang vom Niederdruckkofferkessel zum Mitteldruckzylinderkessel eine bahnbrechende Umwälzung im Schiffskesselbau.

1895 hat die Gesellschaft über Vorschlag des Vorstandes ihrer Schiffahrts­abt eilung C. V. Supp an Widerstandsversuche im Betrieb mit allen ihren Kahn­typen bei verschiedenen Tauchungen und Wasserständen durchgeführt. 1885 wurden die Frachtkähne auf der Donau normiert; ein Typ von 650t Tragfähigkeit wurde als Donaunormalwarenboot allgemein eingeführt.

1 Am 29. August 1930 sind die Bauarbeiten für die Großglockner-IIoehalpenstraße in Angriff genommen worden.

2 Ausführlicher in dem Aufsatz ,,Fr. Fr. Maier und seine Schiffsform, S. 192.