Aufsatz 
Österreich als Ingenieurland
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen

Ernst Stelzer: Technologie.

55

Österreichische Luftverkehrs-A. G. auf Inlandstrecken sowie nach Ungarn, Deutschland und der Schweiz besorgt.

Eine völlige Umwälzung erfuhr der elektrische Nachrichtenverkehr durch die Verbesserungen der Telegraphen- und Fernsprechanlagen sowie durch den Bau von Fernkabellinien. Wien besitzt derzeit die größte automatische Telephonanlage und Österreich das dichteste Fernkabelnetz in Europa.

An der gewaltigen Entwicklung der Radiotechnik in den letzten Jahrzehnten hat Österreich einen bedeutenden Anteil, der in einem besonderen Aufsätze auf Seite 182 näher dargestellt ist. Wir erwähnen hier nur kurz die Erfindungen von Lechner, Nussbaumer, Lieben, Strauss, Meissner und Lederer.

Technologie.

Von

Oberbaurat Ing. Ernst Stelzer.

Österreich hat nicht allein durch Prechtl, Altmütter. und Ivarmarsch die Grundlagen der technologischen Wissenschaft geschaffen, sondern es ist auch durch Erfindung neuer Mittel und Verfahren für die gewerbliche und industrielle Arbeit an der Entwicklung der praktischen Technologie stets hervorragend beteiligt ge­wesen.

Österreich ist eines der holzreichsten Länder Europas, seine Bodenfläche ist bis zu 37,5 v. H. mit Wald bedeckt und seine Holzausfuhr bildet den höchsten Aktivanteil in der österreichischen Handelsbilanz. Diese Rohstoffbasis hat auch den holzverarbeitenden Industrien reichste Entwicklung gebracht. Mannigfache Verbesserungen an den Gattersägen wurden in Österreich erfunden und die im Jahre 1816 von den Brüdern Munding in Wien erbaute Zirkularfourniersäge kann als die erste zufriedenstellende Lösung dieses Problems angesehen werden. Von Öster­reich ist auch die Bugholzindustrie ausgegangen, die sich auf ein Privilegium Michael Thonets in Wien aus dem Jahre 1852 stützt und denWiener Stuhl über die ganze Welt verbreitet hat.

In der Metallbearbeitung ging von Österreich die für die ganze Eisenindustrie bahnbrechende Erfindung der Schmiedepresse aus, welche die bisher übliche Form­gebung des Eisens unter dem Hammer durch die bessere Pressenarbeit ersetzte. Die erste brauchbare Schmiedepresse wuirde in Wien von John Haswell im Jahre 1862 erbaut. 1 In der Erzeugung von Handfeuerwaffen hat F. v. Mannlicher in Wien den Übergang der Einzelladung zur Magazinsladung eingeleitet und durch- geführt, die es zum ersten Male praktisch ermöglichte, fünf oder mehr Patronen mit einem Griff zu laden. Ebenso ist die Erfindung und Entwicklung des Torpedos auf österreichischem Boden entstanden. Lupis hatte im Jahre 1860 ein Ober­flächentorpedo erfunden und in Gemeinschaftsarbeit mit Whitehead entstand das erste Unterseetorpedo des Jahres 1866 in Fiume.

1Haswell und seine dampf-hydrauliselien Schmiedepressen, S. 97.