Aufsatz 
Österreich als Ingenieurland
Entstehung
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Otto Kunze: Technisch-wissenschaftliche Institutionen.

sehe Versuchsanstalt, die Schiffbautechnische Versuchsanstalt u. a. Namentlich die letztere gilt als eine der besteingerichteten Anstalten dieser Art und war mit Aufträgen aus dem Auslande (England, Holland, Italien, Japan, Schweiz, Spanien) bis in die letzte Zeit vollauf beschäftigt.

Die rege Beteiligung Österreichs an der internationalen Gemeinschafts­arbeit auf technisch-wissenschaftlichen Gebieten hatte durch den Weltkrieg und seine Nachwirkungen wohl eine empfindliche Unterbrechung erfahren, befindet sich aber seither wieder in fortschreitender Entwicklung. Ihre Träger sind nicht nur verschiedene technische Vereinigungen, vor allem der Österr. Ingenieur- und Architekten-Verein (Ö. I. A. V.) mit rund 3000 Mitgliedern, der Österreichische Ver­ein Deutscher Ingenieure (Ö. V. D. I.), die Zentralvereinigung der Architekten Öster­reichs (Z. V.), der Verein Österreichischer Chemiker, der Elektrotechnische Verein u. a., sondern auch die für bestimmte Zwecke, zum Teil unter bundesstaatlicher Eörderung gebildeten Ausschüsse und Komitees, wie z. B. der Österreichische Normenausschuß für Industrie und Gewerbe (Öna), das Österreichische National­komitee für die Weltkraftkonferenz, das Österreichische Nationalkomitee der Inter­national Electrotechnical Commission (I. E. C.), der Österreichische Verband für die Materialprüfungen der Technik, der Ausschuß für wirtschaftliche Betriebführung (AWB), die Gesellschaft für Wärmewirtschaft (GW.), der Wasserwirtschafts-Ver­band u. a.

Ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Technik bildet die Errichtung des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien. Diese groß angelegte Unternehmung wmrde 1908 von der österreichischen Industrie unter Beihilfe des Staates und der Gemeinde Wien gegründet. Nach der Fertigstellung des geräumigen Museumgebäudes erfolgte dann inmitten der Wirren des Weltkrieges der systemati­sche Aufbau der Schausammlungen gemäß den entwdcklungsgeschichtlichen Plänen des ersten Museumdirektors Dr. Ing. L. Erhard. Im Mai 1918 wurde die Anstalt für den allgemeinen Besuch eröffnet und seither ist diesesMuseum des Werdens und der Bewegung mit seinen historischen Werkstätten, seinen betriebsfähigen Maschinen, Modellen und Apparaten, seinen beleuchteten Dioramen und Schau­bildern, seinen fachlichen Führungen und Vorträgen und den sonstigen Mitteln der Verlebendigung zu einer unentbehrlichen Lehr- und Bildungsstätte herangereift, die alljährlich gegen 100000 Besuchern aus allen Bevölkerungskreisen Einblick in die Welt der Technik verschafft.

Alle diese Institutionen auf technisch-wissenschaftlichen Gebieten geben Zeugnis davon, daß Österreich auch in seiner gegenwärtigen Verfassung eine werk­tätige Pflegestätte technischer Geisteskultur geblieben ist und auf diesem Wege rüstig vorwärtsschreitet.