Die Gold-, Silber-, Blei-, und Kupfergewinnung in urgeschichtlicher Zeit der österreichischen
Alpen.
Von
Universitäts-Professor Dr. Georg Kyrie, Wien.
Ein kurzer Beitrag über die urgeschichtliche Gold-, Silber-, Blei- und Kupfergewinnung in den österreichischen Alpen scheint mir für die Geschichte der Technik von grundlegendem Wert, zumal die urgeschichtlichen Kupferbergbaue und Verhüttungsanlagen in den österreichischen Alpen in einer selten anzutreffenden Vollständigkeit erhalten sind und auch die Durchforschung dieser Anlagen weit vor* geschritten ist. Wenngleich urgeschichtliche Kupferberghaue auch aus anderen Ländern, so besonders aus der iberischen Halbinsel, bekannt sind, fußt die ganze einschlägige Literatur doch in erster Linie auf den Forschungsergebnissen in \mseren Alpen.
Wie allgemein bekannt, teilt man das urgeschichtliche Geschehen in drei große Zeitabschnitte, die ihren Kamen von dem führenden Gebrauchsstoff dieser Zeiten erhielten.
Die älteste Zeit, die in unserer Gegend von den ältesten Kulturfunden bis etwa 2000 v. Chr. reicht, ist metallos. Der Stein ist der führende Gebrauchsstoff, weshalb diese Zeit Steinzeit genannt wird. Der jüngeren Phase, Jungsteinzeit oder Neolithikum, ist die Verwendung von weichen, aber zähen Gesteinen, die vielfach sehr gut poliert sind, eigentümlich.
Um das Jahr 2000 v. Chr. (im Süden und Südosten schon viel früher, in Vorderasien etwa um 5000 v. Chr.) tritt bei uns erstmalig das Metall als Werkstoff in den Besitz des Menschen, und zwar die Bronze, weshalb dieser Zeitabschnitt Bronzezeit genannt wird. An der Wende der Jungsteinzeit zur Bronzezeit kommen nicht selten auch Funde aus reinem Kupfer vor.
Um das Jahr 1000 v. Chr. wird der Mensch bei uns erstmalig mit dem Eisen bekannt. Dieser Zeitabschnitt heißt Eisenzeit, und zwar die ältere (etwa 1000 bis 500 v. Chr.), in der die Bronze und das Eisen um die Vorherrschaft als Gebrauchsmetall kämpfen, nach dem klassischen Fundort Hallstatt Hallstattzeit, und die jüngere (etwa 500 bis 0 v. Chr.), in der sich das Eisen vollständig durchgesetzt hat, nach einem keltischen Waffendepot in La Tene im Neuenburger See, Latene- zeit.
Gold.
Das älteste Metall, das wir überhaupt kennen, ist das Gold. Es tritt ganz vereinzelt schon in der Jungsteinzeit auf und ist von da ab, durch die ganzen urgeschichtlichen Perioden hindurch, genau so wie auch heute noch, ein Wertmesser