Aufsatz 
Die Gold-, Silber-, Blei- und Kupfergewinnung in urgeschichtlicher Zeit der österreichischen Alpen / von Georg Kyrle
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G fiORG Kyrle

für Reichtum.und Macht. So mächtige Herren, wie im ostmediterranen Gebiet, in Bulgarien, Ungarn und in den nordischen Ländern, haben aber in den verkehrs­armen österreichischen Alpen in urgeschichtlicher Zeit nie geherrscht. Goldfunde sind bei uns sehr spärlich und meistens nur als Plattierungsbleche anzutreffen.

Für die bergmännische Gewinnung von Gold sind bisher unmittelbare Anzeichen nirgends angetroffen worden und auch von den Goldwäschereien sind nur unter sehr günstigen Bedingungen erkennbare Reste zu erhoffen. Der große Reichtum an Goldfunden in manchen Ländern, besonders in der Bronze- und Hallstattzeit, läßt aber vermuten, daß auch bergmännisch Geld gewonnen wurde. Dies ist nament­lich für die Hohen Tauern, und zwar für die späte Latenezeit nach Berichten antiker Schriftsteller wahrscheinlich.

Athenaeus berichtet, daß nicht nur bei Korea, sondern allgemein auch auf dem hohen Alpenlande aus den Wildbächen und den goldführenden Sanden Gold gewaschen wurde, was besonders eine Beschäftigung der keltischen Greise und Frauen war. Auch Strabo berichtet nach Polybius, daß die norischen Taurisker reichlich Gold gewannen und als ihnen zwei Monate hindurch die Italer dabei ge­holfen hatten, der Goldpreis in ganz Italien sofort um ein Drittel gesunken sei. Auch aus der latenezeitlichen Fundverteilung im Tauerngebiet läßt sich sagen, daß im oberen Quellgebiet der Drau, Mur und Salzach für die Latenezeit Gold­wäschereien als gesichert und Bergbau auf Gold als wahrscheinlich angenommen werden darf.

Silber.

Bei der großen Silberhältigkeit der goldführenden Schichten in den Tauern liegt die Frage nahe, ob in dieser Zeit hier nicht auch Silber gewonnen wurde. Dieses Edelmetall wird viel seltener verwendet als das Gold und erst mit dem Auf­treten der keltischen Münzen ist eine stärkere Silberverwendung gegen das Ende der Latenezeit zu belegen. Sichere Spuren von Silbergewinnung fehlen überhaupt. Da das oberflächig liegende Silber meist in Chlorsilber verwittert, wird es wohl in der Regel aus tieferen Lagen gewonnen worden sein. Ob bei dem Goldbergbau in den Tauern auch Silber gewonnen wurde, läßt sich weder bejahen noch verneinen. Die keltischen Silbermünzen, die in unseren Alpen gefunden wurden, sind sicher nicht an Ort und Stelle geschlagen worden und ebenso wie die Zeugnisse antiker Schriftsteller fehlen, fehlen auch jedwede Anzeichen für eine latenezeitliche Silber­gewinnung im Gelände und in den Fundverhältnissen.

Blei.

Bedeutend besser steht es mit den indirekten Beweisen für die urgeschichtliche Bleigewinnung. Zwar fehlen auch hier sichere Anzeichen im Gelände, aber, wie wir später sehen werden, sprechen Grabbeigaben eine so beredte Sprache, daß an der Bleigewinnung in Kärnten nicht gezweifelt werden kann. Das Blei spielt an sich eine sehr untergeordnete Rolle. Abgesehen von seiner fallweisen Verwendung als Ersatz für Zinn bei der Bronzelegierung und dem vereinzelten Auftreten von Bleiartefakten in den mediterranen Kulturen, tritt es in unserer Gegend erst in