Aufsatz 
Die Gold-, Silber-, Blei- und Kupfergewinnung in urgeschichtlicher Zeit der österreichischen Alpen / von Georg Kyrle
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Blei- und Kupfergewinnung in urgeschiclitliclier Zeit der österr. Alpen.

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der Hallstattzeit und da recht spärlich als Fütterungsmittel hei Gefäßrändern, Kesseln, manchmal auch als Bleidraht, nie aber in Form von selbständigen Gegen­ständen auf. Nur aus krainischen Gräberfeldern sind einige Kugeln und Folien aus Blei bekannt und bei Mechel im Nonnsberg aus einem Siedlungsfund stammen Auflagestücke, deren vorgeschichtliche Zugehörigkeit aber nicht gesichert ist. Im endhallstattzeitlichen Gräberfeld von Frög bei Rosegg in Kärnten wurden aber sehr zahlreiche Menschen-, Tier- und Reiterfiguren, teils vollplastische, teils halb- relief auf Tongefäße aufgelegt und ein kleiner Plattenwagen mit Bespannung, alle aus Blei gegossen, gefunden.

Die beschränkte Verbreitung dieser Bleiartefakte läßt keinen Zweifel daran, daß wir es mit einer lokalen Ausprägung dieser Erscheinung zu tun haben und daß sowohl die Gewinnung des Bleies als auch seine Verarbeitung zu Artefakten eine Sonderindustrie der Leute von Frög w'ar. Die Bleiglanzlagerstätten befinden sich in nächster Nähe des Gräberfeldes und so ist der Schluß erlaubt, daß aus diesen Lagerstätten etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. Blei gewonnen wurde. Aus der Zu­sammensetzung des Fröger Bleies und insbesondere aus seiner Verunreinigung mit Silber, neigt F. Kahler der Meinung zu, daß es aus dem Vorkommen des Typus Bleiberg entstammt. An bekannten Lagerstätten, die diesem Typus entsprechen, werden von dem Vorgenannten Bleiberg-Kreuth, Windisch-Bleiberg, Obir und Petzen, als wahrscheinlich auch Rudnikalpe genannt, Örtlichkeiten, die alle unweit von Frög liegen.

Im Gelände sind bisher sichtbare Zeichen für urgeschichtliche Bleigew'innung nicht angetroffen w'orden. Dies dürfte wohl auch damit Zusammenhängen, daß offenbar nur in sehr beschränktem Maße Blei gewonnen wurde (alle bisher gefundenen Bleiartefakte in den krainischen Gräberfeldern und in Frög betragen zusammen schätzungsweise 1 bis 2 kg) und daß der Versuch, Bronze durch dieses leicht schmelz­bare, leicht gießbare und an Ort und Stelle gewonnene Blei zu ersetzen, nur örtliche Bedeutung erreichte und nicht weiter ausgebaut wurden konnte. Trotzdem ist dies aber eine sehr interessante Erscheinung in der urgeschichtlichen Metallurgie und ein Zeugnis dafür, daß man schon sehr früh bestrebt w'ar, sich von fremden Rohstoffen möglichst unabhängig zu machen.

Kupfer.

Die Gewinnung der genannten Metalle in unserer Gegend in urgeschiclitliclier Zeit kann nur mittelbar erschlossen wurden und ist auch auf verhältnismäßig kurze Zeit beschränkt. In jeder Beziehung anders wird das Bild bei der urgeschichtlichen Kupfergewinnung. Hier haben wir es mit Betrieben zu tun, die weit über ein Jahr­tausend gedauert haben und die fast überall dort anzutreffen sind, wo Kupferlager­stätten in salzburgisch-tirolischen Grauwackengebieten für den prähistorischen Menschen erreichbar waren.

Die prähistorischen Kupfergruben auf der Mitterbergalpe bei Bischofshofen wurden bereits im Jahre 1867 als solche erkannt. Es ist das Verdienst des Alt­meisters der österreichischen Urgeschichtsforschung, Matthäus Much, diese Frage eingehend studiert und mit dem dortmaligen Bergverwalter Johann Pirchl sen.

Geschichte der Technik, II. 1. 5