Aufsatz 
Die Gold-, Silber-, Blei- und Kupfergewinnung in urgeschichtlicher Zeit der österreichischen Alpen / von Georg Kyrle
Entstehung
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Georg Ktrle

und später mit dessen Sohn die Abbau-, Aufbereitungs- und Verhüttungstechniken einer weitgehenden Klärung zugeführt zu haben. Diese Befunde, die im wesent­lichen auf den Untersuchungsergebnissen von der Mitter bergalpe und der Kelchalpe bei Kitzbühel fußen, wurden von Much 1878/79 veröffentlicht, späterhin in mehreren Arbeiten ergänzt und letztmalig 1902 zusammengefaßt. Damit ist der erste Abschnitt in dieser Forsehungsgeschichte beendet.

Anläßlich der Aufnahme der urgeschichtlichen Funde in Salzburg durch das Bundesdenkmalamt für die Österreichische Kunsttopographie konnten durch den Berichterstatter in den Jahren 1911 bis 1913 neue Fundplätze (Einödberg bei Bischofshofen, Buchberg-Hochgründeck bei St. Johann im Pongau, Viehhofen im unteren Glemmtal und Dürrenberg bei Stuhlfelden), sowie zahlreiche neue Scheid- und Schmelzplätze begangen und aufgenommen werden. Die bezüglichen Ergebnisse wurden 1918 von 0. Klose und dem Berichterstatter in der Österreichischen Kunst­topographie, Band XVII, zusammengefaßt und erörtert. Damit ist die zweite Periode der Erforschungsgeschichte als beendet anzusehen, die hauptsächlich er­geben hat, daß die untertägigen Bergbaue mit dem Beginn der letzten Phase der Bronzezeit begannen, eine Dauer von etwa 300 Jahren hatten und eine ausgebrachte Kupfermenge von schätzungsweise 300 bis 400 Tonnen ergaben.

In der Folge ist, durch unsere Arbeit angeregt, neuerdings die Frage des Beginnes der untertägigen Abbaue erörtert worden, und hiebei machte insbesondere der bekannte Salzburger Prähistoriker M. Hell, gestützt auf neuentdeckte Siedlungs­funde, die in offenkundiger Beziehung zur Erzgewinnung stehen, sehr wahrschein­lich, daß schon in einer früheren Phase der Bronzezeit Kupfer gewonnen und ver­hüttet wurde. In den allerletzten Jahren sind durch den Bergingenieur der Mitter- berger Bergbau A. G. E. Pkeuscheüst und den Markscheider K. Zschokke zahl­reiche neue Örtlichkeiten angetroffen worden und eine von R. Pittioni, gemeinsam mit den Vorgenannten im heurigen Jahre erfolgte Begehung hat eine Reihe neuer und sehr wichtiger Fundplätze und Fundtatsachen gezeitigt, aus denen neben ver­schiedenen technischen Einzelheiten der Kupfergewinnung auch hervorgeht, daß unmittelbar nebeneinander sich Kupfer- und Eisenschlacken befinden, was dafür spricht, daß die Kupfergewinnung sehr spät in die Hallstattzeit hinein, wahrschein­lich sogar bis zum Beginne der Latenezeit, auch in den Gegenden nordöstlich der Tauernkämme geübt wurde. Die Veröffentlichung dieser Ergebnisse steht für die nächste Zeit bevor und wir befinden uns in der dritten Erforschungsperiode, welche noch voll in der Entwicklung begriffen ist und nach den bisherigen Proben sehr viel Neues zu versprechen scheint.

Nach dieser kurzen Erforschungsgeschichte wollen wir auf das Thema selbst eingehen.

Wenn wir von einer Erzlese, die naturgemäß keine erkennbaren Spuren im Gelände zurückgelassen hat, absehen, so können wir bezüglich der Erzgewinnung zwei Abbaumethoden unterscheiden, nämlich die obertägige und die unter­tägige.

Das klarste Beispiel für einen obertägigen Abbau liefert der Sausteigen (1690 m). Auf dem Gehänge dieses Berges, der am nördlichen Saalachufer liegt und sich unmittelbar von Viehhofen erhebt, liegen in dem Gebiete der Wirtsalpen-