Die Kupfergewinnung in urgescliielitlielier Zeit der österr. Alpen.
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hütte große Komplexe von Furchenpingen. Sie ziehen im Sinne der Schraffen, sind bis 10 m tief, bis 5 m breit, gewöhnlich 50 bis 60 m, manchmal aber auch 200 m lang. Meist liegen sie knapp nebeneinander, manchmal auch 5 bis 6 m voneinander entfernt und ihre wirkliche Tiefe ist dadurch überhöht, daß links und rechts das ausgebrachte Hauwerk als seitliche Aufschüttung versetzt ist. In diesen Aufschüttungen liegen in großen Mengen klein zerschlagene, anstehende Gesteinsmassen, viele zertrümmerte Gangstücke, manchmal auch gutes Erz und dann finden sich unverzierte Scherben drehscheibenloser Gefäße, größere oder kleinere Rillenschlegel, Unterlagsplatten und Fragmente von solchen aus ortsfremdem Gestein. Durch die genannten Funde ist einwandfrei belegt, daß wir es mit urgeschichtlichen Bauen zu tun haben. Das Kupfererz wände hier im einfachen obertägigen Abbau gewonnen oder aufgesammelt und gleich an Ort und Stelle, wenigstens der Hauptsache nach, roh gekuttet. In dem Furchenpingenbezirk der Wirtsalpe sind nirgends Trichterpingen zu sehen, so daß wir es hier mit einem reinen obertägigen Abbau zu tun haben.
Konnte der obertägige Abbau auch von wenig geschulten Leuten ohne jede Schwierigkeit durchgeführt werden, so setzte der untertägige Abbau bergmännische Kenntnisse, besondere Schulung und große Erfahrung voraus. Hier können nur wirkliche Bergleute den Betrieb geführt haben, ein Umstand, der einen eigenen Bergmannsstand schon in so früher Zeit zur Voraussetzung hat.
Die Trichterpingen sind trichterförmige Vertiefungen, oft bis 5 m tief, und etw r a 10 bis 15 m im Durchmesser haltend, manchmal langgezogen, oval und unregelmäßig. Sie stammen entweder vom Niederbruch untertägiger Baue, oder sind die Mundlöcher zu den alten Verhauen. Im ersteren Falle sind sie meist klein und annähernd kreisrund, in letzterem oft sehr groß und unregelmäßig.
Das größte bisher bekannte untertägige Abbaufeld ist auf der Mitterbergalpe. Dort ziehen längs des Erzganges über die Wasserscheide des Mühl- und Gainfeld- baches, kettenförmig angeordnet, stellenweise bis 100 m lange Trichterpingen. Unter diesem Pingenzuge, der mehr als 1 km lang ist, wurden bis zu 100 m Seigertiefe die alten Verhaue von dem modernen Bergbau angefahren. Diese Verhaue hatten eine Gangfläche von etwa 70000 m 2 untertägig aufgefahren, von der allerdings Zwischenmittel stehen gelassen werden mußten. M. Much und J. Pirchl sen. konnten in den siebziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts am Westende des Grubenfeldes noch offene alte Verhaue befahren.
Im Jahre 1910 wurden sehr gut erhaltene Verhaue von der Gewerkschaft Viehhofen durch den Hermastollen, im nordöstlichen Talhang der Saalach, etw r a eine halbe Stunde Gehzeit von Viehhofen, angefahren, und schließlich konnte ein befahrbarer Verhau auch auf der Kelchalpe bei Kitzbühel seinerzeit angetroffen werden. Auf dem Einödberg bei Bischofshofen liegen zahlreiche verstürzte Verhaue, von denen aber nicht weiter die Rede sein soll.
Die alten Verhaue waren alle ersoffen, was die erfreuliche Tatsache zur Folge hat, daß sich in ihnen auch Funde aus organischen Stoffen, insbesondere Holzgeräte gut erhalten haben, Gegenstände, die unter anderen Umständen bereits längst vergangen wären. Aus den in den Verhauen angetroffenen Aufschlüssen und Funden läßt sich über den urgeschichtlichen Kupferbergbau ungefähr das nachstehende Bild gewännen.