Aufsatz 
Die Gold-, Silber-, Blei- und Kupfergewinnung in urgeschichtlicher Zeit der österreichischen Alpen / von Georg Kyrle
Entstehung
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Georg Kyrle

Nach dem Abräumen der oberen tauben Schichten, das im Tagbau geschah, fuhr man in tonlägigen Schächten in die Tiefe. Als Reste von diesen vorbereitenden Arbeiten sind uns Furchenpingen erhalten, die einzelne oder mehrere Trichterpingen aufweisen. Manche dieser Anlagen werden auch nur reine Versuchsbaue gewesen sein, die überhaupt kein Erz oder nicht abbauwürdiges ergaben und deshalb wieder verlassen wurden. Wenn man aber begründete Hoffnungswerte antraf, fuhr man in die Tiefe. Dabei benützte man gerne offene Klüfte, fuhr in weniger widerstands­fähigen Schichten und unterstützte den Vorteil durch Feuersetzung. War man am Erzgang, so legte man Grubenfelder an und brach von diesen aus, sobald das Gruben­feld ernstlich in Betrieb genommen werden sollte, einen zweiten Schacht auf, der unbedingt erforderlich war, um der Feuersetzung durch den alten Schacht genügend Frischwetter zuzuführen und die Rauchschwaden durch den neuen Schacht ab­strömen zu lassen. Durch diese Anlage konnte man eine erhöhte Feuerwirkung, Arbeiten in der Grube während der Feuerung und eine gewisse Regelung der Feuer­setzung gegen das Ort zu erreichen. Schritt der Abbau weiter fort, so mußte man auch noch einen dritten Schacht auf brechen.

Wurde der Aufbruch im Schacht oder im Grubenfeld zu hoch, so mußte man Feuerbühnen anlegen, die wohl in den meisten Fällen aus aufgeschichtetem Versatz bestanden haben mögen; in Viehhofen ist eine in eine Kluft verzwängte brücken­ähnliche Konstruktion erhalten, und aus dem Mitterberge wurden Querhölzer und Pfostenköpfe, die offenbar als Reste von Feuerbühnen zu deuten sind, gefunden. Von der Grubensohle aus erreichte man diese Bühnen durch einfache Steigbäume mit gehackten oder ausgebrannten Stufen. Der Steigbaumfuß war, des sicheren Aufstellens halber, gewöhnlich gabelförmig gespalten.

Das erhitzte Gestein besprengte man mit kaltem Wasser. Dieses wurde in einfachen Rinnen vom Tag her eingeleitet gelegentlich wurde wohl auch Gruben­wasser verwendet, in großen Holztrögen gesammelt und mit Holzkübeln oder Holzkellen an das erhitzte Gestein geschüttet. Durch die plötzliche Abkühlung entstanden Sprünge und Risse und das kleinzersprengte Gestein fiel entweder von selbst ab oder wurde mit spitzen Bronzepickeln, die in knieförmig gebogenen Ast­stücken geschäftet waren, losgebrochen oder mit Schlegeln aus Bronze oder Stein heruntergeschlagen. In den Verhauen von Viehhofen ist noch massenhaft solches Bruchwerk vorhanden, das wegen des Fehlens seines Kristallwassers beim Auftreten eigenartig knirscht. Größere Trümmer wurden vom Orte mit einem nassen Holz­keile, dem links und rechts Zulageplatten beigelegt waren, gelockert und abgesprengt.

Das Hau werk unterzog man gleich an Ort und Stelle einer rohen Kuttung durch Zerschlagen mit größeren Steinschlegeln oder Klopfsteinen. Es scheint aber nicht nur das hältige Gestein, sondern vielfach auch taubes Hauwerk gefördert worden zu sein, da der Versatz von taubem Gestein in den Verhauen meist außer­ordentlich gering ist. Die Förderung geschah in Fülltrögen oder in Ledersäcken, mitunter auch in gewebten Säcken durch Hinaustragen, durch Emporziehen oder durch eine Winde; Überreste eines Haspels und Treppenhölzer eines Schachtausbaues wurden von einer solchen Förderung im Mitterberge angetroffen.

Druckhafte Strecken verstand man auch zu verzimmern, und zwar verwendete man gescharte Stempel, Stempelschuhe und dazwischen oft Verlegehölzer, so daß