Die Kupfergewinnung in urgeschichtlielier Zeit der österr. Alpen.
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stellenweise vollständige Verschalzimmerungen entstanden. Die Zubearbeitung der Grubenhölzer geschah mit Bronzeäxten, die Verzimmerungsarbeiten selbst mit Treibfäusteln aus Holz. Gegen den Einbruch von Wasser schützte man sich durch Verdämmungen. Sie bestanden aus mehreren Stempeln mit quergelegten Hölzern, die in der Richtung gegen den Wassereinbruch mit Lehm- oder Erdschichten bedeckt waren.
Die Beleuchtung der Gruben geschah, abgesehen von der Erhellung durch die Feuersetzungen, mit Leuchtspänen, die in Bündeln zusammengebunden w'aren und von denen die abgebrannten Stummeln zu vielen Hunderten in den Verhauen gefunden wurden.
Eigenartige Abbauverhältnisse liegen auf der Kelchalpe bei Kitzbühel vor. In der Umgebung des Jufenkopfes, der höchsten Erhebung der Kelchalpe, ist das ganze Gebiet übersät mit mächtigen Furchenpingen von obertägigen Bauen oder Versuchsbauen, weit ausgedehnten Scheid- und zahlreichen Schmelzplätzen. Die Funde lassen keinen Zweifel daran, daß es sich um prähistorische Anlagen handelt ; auch ein offenes Verhau wurde angefahren. In diesem Gebiete liegen nun, meist nur wenig voneinander entfernt, aber untereinander nirgends sichtlich zusammenhängend, Wasserpfützen von mehreren Metern Durchmesser, die als ,,Meeraugen“ der Landschaft ein ganz ungewöhnliches Gepräge geben und meistens von wallartigen Halden aus zertrümmertem Grestein umgeben sind. Ich ließ im Jahre 1920 ein solches „Meerauge“ ausgraben und fand einen stark verschlämmten Schacht von gut 2 m Tiefe, der sich nach unten hin birnenförmig erweitert. Es handelt sich um eine künstliche Anlage, bei der die wallförmigen Halden die Aufschüttung des Versatzes und die obere Plattform eine Art Eörderbühne darstellen. Obwohl in der Umgebung von Kitzbühel auch aus dem Mittelalter und noch später Bergbaue belegt sind, liegt kein stichhältiger Grund vor, diese Schächte nicht für gleichzeitig mit den benachbarten Pingenzügen und Scheidplätzen zu halten. Wir haben also hier eine urgeschichtliche Kupfergewinnung vor uns, die ein Mittelding zwischen ober- und untertägigem Abbau darstellt und die offenbar durch die Lage des Erzganges bedingt ist. Eine systematische Untersuchung dieser Örtlichkeit wird gewiß noch manche interessanten Aufschlüsse bringen.
Aus der Grube wurde das Hauwerk an den Tag geschafft und in der Regel unmittelbar bei den Pingen auf den Scheid plätzen auf bereitet. Diese Scheidplätze w r eisen in großen Mengen zertrümmertes, taubes Gestein, Steinschlegel, Arbeitssteine, Topfscherben usw'. auf und besitzen oft gewaltige Ausdehnung. Sie sind im Gelände meist leicht zu erkennen, da sie vielfach nicht übergrast sind. Auf diesen Scheidplätzen zertrümmerte man zuerst das Hauwerk mit großen steinernen Schlegeln, dann wurde es mit Handklopfsteinen auf Unterlagsplatten weiter zerkleinert und schließlich die hältigen Teile mit Läufern, die quer geschrämt w'aren und auf Unterlagsplatten liefen, zu feinem Schlick zerrieben. Dieser wurde endlich mit Wasser aufbereitet. Ein solcher Sichertrog, der als Vorläufer der Stoßherde anzusehen ist, w r urde im Mitterberge gefunden. Durch diese Aufbereitung war man in der Lage, das erzhältige Gestein möglichst anzureichern und erhielt dadurch sehr hochwertiges Schmelzgut.
Dieses wurde in eigenen Öfen auf den Schmelzplätzen, von denen bereits