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Georg Kyrle
etwa 100 bekannt geworden sind, verschmolzen. M. Much nimmt vor der eigentlichen Schmelzarbeit ein Rösten der Erze an, doch konnte ich dafür nirgends sichere Anzeichen antreffen. Die Schmelzplätze sind über die ganzen Bergw'erksbezirke verstreut und verhältnismäßig schwer im Gelände aufzufinden, da sie in der Regel gut übergrast sind. Kennzeichnend ist, daß sie fast durchwegs an Wasserrinnsalen liegen. Die Schmelzplätze haben gewöhnlich die Form eines aufgerollten Mantels, liegen meist an einem Abhang und in ihrem oberen Teile sind die Reste des Schmelzofens anzutreffen. Diese bestehen aus stark verbrannten Schieferplatten, gebrannten Lehmstücken und sonstigen Ausfütterungsstoffen, die meistens noch gute Anlauffarben zeigen. Bei den Ofen wurde der gewachsene Boden gegen die Berglehne zu künstlich verebnet und diese Ausnehmungen als Stützpunkte für die Hinterwände des Ofens verwendet. Die Ofenw r ände baute man aus Gesteinsstücken und verschmierte sie innen mit Lehm. Die innere Lichte hält etwa J / 2 m im Geviert, die Wände sind etwa 40 cm stark. Unten befindet sich ein flachtellerförmiger Sumpf, auf dem das Metall gesammelt wurde. Der Ofen wurde offenbar in der Art geheizt, daß man zuerst am Boden Feuer anzündete und dann abwechselnd Erz und Holzkohle auflegte. Das ausgeschmolzene Metall sammelte sich im Ofensumpf und es entstanden tellerförmige, an der einen Seite leicht verdickte Gußfladen, die in der Umgebung der Bergwerksbezirke vielfach als Depotfunde angetroffen werden. Die Schlacke wurde nach dem Herausschlagen der Brustwände, noch zäh, mit Schlackensticheln von den Gußkuchen abgeschoben. Es kommen verschiedene Arten von Schlacken und Schlackensand vor, so daß offenbar mehrere Schmelzgänge für die Fertigstellung des Produktes notwendig waren und Schlacke auch als Schmelzzuschlag beigegeben wurde.
Was nun die Verbreitung der urgeschichtlichen Kupferabbaue anbelangt, so wurden die Reviere bei Bischofshofen, St. Johann im Pongau, Viehhofen, Mitter- bergsattel und Kelchalpe schon erwähnt. Darüber hinaus finden sich aber auch im Revier Kitzbühel und Jochberg eine große Anzahl alter Baue, die höchstwahrscheinlich urgeschichtlicher Herkunft sind und auch die Pingenzüge in der Gegend von Matrei in Osttirol dürften im Zusammenhang mit den endhallstattzeitlichen Gräberfeldern von Welzelach und Zedlach als prähistorisch angesprochen werden. Ich zweifle nicht daran, daß die bisher aus mehr als hundert Örtlichkeiten bekannten Anzeichen für die urgeschichtliche Kupfergewinnung sich bei einer gründlichen Landesforschung noch stark vermehren werden und daß die Erzsuche, und dort, wo sie zu Erfolg führte, auch der Erzabbau, im ganzen salzburgisch-tirolischen Grauwackengebiete in urgeschichtlicher Zeit eitrigst betrieben wurde. Einer feineren zeitlichen Zuteilung dieser Anlagen stellen sich gewisse Schwierigkeiten entgegen. Die überall anzutreffenden gleichartigen Bergwerksgeräte (Klopfsteine, Unterlagsplatten usw.) sowie die rohe Hauskeramik zeigen keinerlei Fortschritte und auch die technischen Aufschlüsse sind so gleichförmig, daß man vorerst geneigt ist, alle Anlagen im wesentlichen als gleichzeitig zu betrachten. Da nun die typolo- gisch empfindlichen, in dem Mitterberger Verhaue gefundenen Bronzepickeln zweifellos der letzten Stufe der Bronzezeit angehören und die zahlreichen Streufunde im salzburgisch-tirolischen Erzgebiet fast ausschließlich mittel- oder endständige Lappenäxte sind, die ebenfalls dem Ende der Bronzezeit angehören und