Aufsatz 
Thyrsenblut / von Franz Sedlacek
Entstehung
Seite
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Tliyrsenblüt.

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abfließen, andere mögen verdampfen und sich in den kühleren Zonen kondensieren, ein Teil wird aber zweifellos Zersetzungen erleiden und pyrogene Produkte liefern, worauf ja schon die Tatsache hinweist, daß das an sich feste Bitumen schließlich ein flüssiges Öl ergibt. Der Prozeß des Steinölbrennens dürfte also wohl als ein Gemisch von Ausschmelzen (Saigern), gewöhnlicher Destillation und destruktiver Destillation (Schwelung) zu verstehen sein.

Das hiebei angewandte primitive Verfahren derabsteigenden Destillation

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Abb. 4. Dirschenölgewinnung bei Seefeld.

Nach einem Aquarell von M. BURGKLEHNER im Ferdinandeum.

Im Hintergründe sieht man die Destillieranlage mit 9 Tiegeln, deren gemeinsame Abflußrinne das öl in ein Holzgefäß leitet. Der Mann rechts will ein solches Gefäß in ein Vorratsfaß entleeren, während links der vor der Hütte sitzende Mann damit beschäftigt ist, Stinksteine mit dem Hammer zu zerkleinern. Vor ihm steht derDirscheler", der mit dem öl hausieren

geht.

(Destillatio per descensorium oder per descensum) wurde schon frühzeitig beschrie­ben 1 und wohl das ganze Mittelalter hindurch zu verschiedenen Zwecken (z. B. Gewinnung von Wacholderöl usw.) ausgeübt.

Der Araber Mesue im 10. Jahrhundert beschreibt die Herstellung von Oleum de gagatis, worunter wohl Schieferöl zu verstehen ist, folgendermaßen:Man gräbt eine Grube in die Erde, kleidet die Wände derselben mit Lehm aus, stelle einen weithalsigen, glasierten Hafen hinein und bedecke ihn mit einer siebartig durch­löcherten Eisenplatte. Hierauf gebe man den zerkleinerten Gagat in ein großes, innenglasiertes, faßförmiges Gefäß, dessen Öffnung verengt ist. Dieses setze mit der Öffnung nach unten auf die durchlöcherte Eisenplatte, verstreiche alles gut, damit nichts entweiche. Um das ganze vorschauende Gefäß wird nun ein Feuer

1 Z. B. von dem Araber Dsciiabir Ibx Hajjax (Geber) etwa um 800.

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