Thyrsenblut
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Eine andere Gesellschaft, die „Erste tirolische Asphaltgewerkschaft am Gießenbach bei Seefeld“ wurde auf Anregung des Innsbrucker Kaufmannes Jakob Strasser gegründet. Asphalt stellte man durch Abdestillieren der leichteren Anteile her, auch wmrde er mit gemahlenem, erhitztem bituminösen Stein innig gemengt und kam dann, zu Blöcken gegossen, als „Asphaltmastix“ in den Handel. 1 Diesem Unternehmen machte die kapitalkräftige erzherzogliche Hütte bald solche Konkurrenz, daß sich die Gesellschaft auflöste. Der Betrieb wurde von einem der Gesellschafter weitergeführt und als es diesem im Jahre 1858 gelang, aus dem Ölschiefer ein Leuchtpetroleum herzustellen — die Erzeugung eines halben Jahres betrug 250 Zentner — schien dem Unternehmen eine schöne Zukunft zu blühen. Da kam das billige Petroleum der damals neu entdeckten amerikanischen Erdölquellen auf den europäischen Markt und erstickte die Konkurrenz des inländischen Produktes.
„Der letzte Schlag und moralisch w r ohl der härteste traf das vom Schicksal verfolgte Unternehmen, als im Jahre 1859 bei Versteigerung der großartigen Asphalt arbeiten der Festung Kufstein zum Erstaunen aller Fachkundigen im Voraus — französischer Asphalt ausbedungen wurde! Zwar gelang es in Folge energischen Hinweises auf die Güte des tirolischen Erzeugnisses, das dem französischen in nichts nachstehe, ja dasselbe bewährt erweise an Haltbarkeit sogar übertreffe, sowie auf den bedeutend geringeren Preis desselben, endlich auf die Unterstützung und Hebung der vaterländischen Industrie, sich die Theilnahme bei der Concurrenz zu erwdrken — aber was half es ? Trotzdem, daß das tirolische Offert das einzige war, welches bis zum vorgeschriebenen Termine eingelaufen war, wurde ein in Wien von dem Bevollmächtigten einer französischen Gesellschaft gemachtes Nachoffert genehmigt! Und das geschah im Jahre 1859, als die tirolischen Kaiserjäger mit den Franzosen bei Magenta und Solferino rauften, abgesehen davon, daß die französische Gesellschaft ihr Offert weit über 10000 fl. höher stellte, als die inländische Unternehmung!!“ So klagt Hörmann 2 mit bewegten Worten und nicht mit Unrecht. Wir sehen denn auch in den nächsten Jahren beide Werke ihren Betrieb einstellen und das Ölbrennen in eine zweite Periode bäuerlichen Kleinbetriebes treten. Das alte primitive Verfahren wurde kaum wesentlich geändert, höchstens insoferne, als man nun gußeiserne Tiegel verwendete.
1 Tiienius, in Dinglers Polytechn. Journal, Jahrg. 1860, Bd. 158, S. 382.
2 Hörmann, Tiroler Volkstypen, S. 206/207.
Abb. 5. Die alfe Maximilianshütte. Nach einer kolorierten Zeichnung im Besitze der Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co., Hamburg.
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