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Franz Sedlacek: Thyrsenblut.
Die Asche des in großen Mengen verheizten Holzes diente als Düngemittel, der ausgebrannte Mergelstein gab (wohl mit entsprechendem Kalkzuschlag) einen brauchbaren Zement. Man arbeitete natürlich nicht auf Asphalt, sondern wie einst auf Dirschenöl, das vielfach durch Hausierer verhandelt wurde. Der Steinölträger oder „Dirscheler“ — auch auf dem BuRGKLEHNERschen Aquarell, Abbildung 4, ist er zu sehen — trug seine Ware in einer „Kraxe“ auf dem Rücken bis in die entlegensten Täler Tirols, bis nach Deutschland und Italien. Der „schwarze übelduftende Geselle“, wie ihn Hörmann beschreibt, war in den Dörfern gerne gesehen, denn sein Dirschenöl galt als bewährte Vieharznei, gab mit Eiern gemischt eine ausgezeichnete Wagenschmiere und ließ sich auch zum Vertreiben von Mäusen verwenden. Im Jahre 1872 ging das Werk am Gießenbach an einen Münchener Fabrikanten über, der es moderner ausgestaltete und wieder in Betrieb setzte. Die Maximilianshütte war nach dem Tode des Erzherzogs zunächst von der Gemeinde Reith weiter betrieben worden und wurde 1873 an eine Wiener Gesellschaft verpachtet. Tm selben Jahre waren übrigens auf der Wiener Weltausstellung Erzeugnisse der Tiroler Asphaltindustrie zur Schau gestellt und prämiiert worden.
Die jüngste Entwicklungsphase der Tiroler Ölschieferverwertung soll hier nur angedeutet werden. 1 Um 1884/85 erwarb die in Hamburg gegründete Ichthyol- Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. die beiden Werke und richtete sie gänzlich neu ein. Auch neue Gruben wurden erschlossen. Es war gelungen, aus dem Steinöl, nun Ichthyolöl genannt, durch Sulfurierung ein wasserlösliches Präparat, eine „Ichthyolsulfosäure“ zu erhalten, die die Grundlage der heutigen Ichthyolpräparate bildet. Seitdem der große deutsche Dermatologe P. G. Unna das Ichthyol in den Arzneimittelschatz eingeführt hatte, sind diese Präparate zu allgemein verbreiteten und unentbehrlichen Heilmitteln geworden. Damit aber wurde das Dirschenöl, nachdem es eine nicht lange dauernde industrielle Blütezeit als Baustoff und Leucht- mittel erlebt hatte, seiner alten Bestimmung wieder zugeführt, die ihm einst der sterbende Riese Thyrsus gegeben hatte.
Abb. 6. Darstellung der alten Tiroler Dirschenöl- brennerei im Technischen Museum in Wien.
1 Herr Dr. Heinz v. Falser hat eine eingehendere geschichtliche Darstellung dieser Entwicklung in Aussicht gestellt, die wohl anläßlich des 50jälirigen Bestandes der Firma Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. im Jahre 1934 zu erwarten ist. — Herrn Dr. v. Falser, der mir zur vorliegenden Arbeit zahlreiche Mitteilungen zukommen ließ, sei an dieser Stelle der verbindlichste Dank zum Ausdruck gebracht.