Aufsatz 
Der Geistschacht am Röhrerbühel in Tirol / von Guido Hradil
Entstehung
Seite
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Der Geistschacht am Röhrerbühel in Tirol.

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Durch diese Anlage, die zweifellos eine für die damalige Zeit sehr bedeutsame technische Erfindung bedeutet, wurden viele Arbeitskräfte entbehrlich, die man bis dahin für die Wasserhaltung benötigt hatte. Die Schachttiefen betrugen, wie aus den alten Karten ermittelt werden konnte, 800 bis 900 m, der Röhrerbüheler Bergbau war somit damals einer der tiefsten der Erde. Welch märchenhafter Reich­tum im Laufe der Jahre aus diesem Bergbau zutage gefördert wurde, mag aus folgenden Ziffern sich ergeben: im Jahre 1552 betrug die Ausbeute aus dem Michaeler- fundgang allein 22913 Mark, d. s. 6430 kg Silber (1 Mark = 6 Gulden), das an die Münze nach Hall in Tirol abgeliefert wurde. Allein schon nach wenigen Jahren machte sich ein langsames Versiegen der Ergiebigkeit bemerkbar. Über die Ursachen dieser Erscheinung äußert sich Sperges etwa wie folgt:

,,Die Tiroler Erze sind unbeständig, kurzlüftig und absätzig, streichen daher nicht immer nach dem Gange, sondern brechen nur dort und da nieren-oder nester­förmig ein; sie setzen selten edel in die Tiefe nieder und arten auf die letzte gar aus. Aber noch öfters hat die Unwissenheit derjenigen die Schuld, welche den Bau führen, da sie ihn nicht bergmännisch treiben und das Beste überfahren. Zu diesen inneren Ursachen kommen von außen der Mangel an Bau- und Kohlholz, Pfennigs­wirtschaft oder Pfennwertsbehandlung, die immer schwieriger wird, so daß der Bergbau mit gedoppelten Samkosten bestritten oder gar aufgelassen werden muß. Dies seien allgemeine Ursachen, zuweilen gebe es auch noch sonderbare' (besondere), d. s. politische, so die große Glaubensspaltung und ferners die von den katholischen Landesfürsten vorgenommene Gegenreformierung und nachmalig gänzliche Aus­rottung der ,Lutterischen Sektierer'.

Viel wertvolles Material ist im Laufe der Zeit leider verlorengegangen, so u. a. die Grubenkarte von Dionys Helfer aus dem Jahre 1618, die bei dem großen Brande in Schwaz gelegentlich des Bayerneinfalles im Jahre 1809 mit anderen für die Geschichte des Tiroler Bergbaues unersetzlichen Behelfen ein Raub der Flammen wurde. Erhalten geblieben ist eine Karte vom Jahre 1765 des Bergmeisters zu Kitzbühel Johann Sennhofer, die uns die besten Aufschlüsse über die Schacht­tiefen vermittelt. Diese Karte bezeichnet die Stelle, wo der erste glückliche Fund gemacht wurde, in nachstehend origineller Weise:

Allda unter einem Kerschbaum haben geschlaffen drei wohlbezöchte Paurn in einem Thraum, Michael Rainer, Christian Gasteiger und Georg Prugger. Es thraumet ihnen zugleich sie soll allda Berg pauen, so werden sie reich. Weil sie nun solches haben gethan der vorhero beriembte Reropichl durch diesen Thraum den anfang namb dass ende weiss Gott sonst Niemandt nicht. Gott schickh uns Reiche Silber Geng undt Kupferklift. Es thett wohl noth bei dieser Zeith. Gott segne uns allhier und dort in Ewigkeit.

Die Lagermasse war nebst Quarz und Kalkspat häufig Gips mit Kupfer­fahlerz und Kupferkies im grauen Übergangstonschiefer. Zur Förderung bestanden anfangs, ebenso wie zur Wassergewältigung, Pferdegöpel.

Nach Burglechner, der 150 Jahre vor Sperges seinen berühmtenTirolischen Adler schrieb, betrug die Ausbeute von 1550 bis 1606 593624 Mark Zehn-Lot Brandsilber; die Ausbeute an Kupfer vom Jahre 1553 bis 1607 betrug 3103375 Zentner 45% Pfund.

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