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Guido Hradil
Immer mehr sank der Ertrag der Gruben. Dies führte zur ersten Auflassung des Betriebes im Jahre 1633. In der Folge schloß die Regierung mit der Augsburger Gewerkenfamilie der Fugger einen für letztere sehr vorteilhaften Vertrag auf 25 Jahre; die Frone der 19. Star (Y 2 Metze) wurde nachgesehen, das in die Münze nach Hall in Tirol gelieferte Silber in Thalern zu 68 Kreuzern ausgezahlt, der Kupferzoll auf 6 Kreuzer für den Zentner herabgesetzt und das gesamte Grubeninventar mit Ausnahme der Salzpfanne zur unentgeltlichen Benützung den Fuggern überlassen.
Im Jahre 1659 endete der Vertrag mit den Fuggern. Da diese nicht mehr bauen wollten, wurde der Bau im Jahre 1662 vom Landesfürsten selbst übernommen. Die Schächte w r aren damals größtenteils verstürzt, der Gesellenbau nur noch 272 Klafter, der Geisterschacht 310 Klafter und der Goldene Rosenschacht 309 Klafter tief. Schächte und Strecken wurden neu gewältigt, so daß das Werk bis zum Jahre 1750 wieder Ausbeute gab. Von da ab aber setzte neuerlicher Verfall ein. Es machten sich die Nachteile der größeren Grubenteufen, der stärkere Andrang von Grubenwasser sowie die Verringerung des Silberhaltes der Erze bemerkbar, ebenso die beschwerliche Förderung infolge Schwankens des Seiles; die Bergschwaden (Schlagwetter) wurden immer fühlbarer. Neue Versuche, weitere Erzmittel aufzuschließen, waren mißglückt. Das alles führte zur Einstellung des Grubenbetriebes, der im Jahre 1774 nach eingehender Untersuchung durch die Hofkommissäre Graf Colloredo und von Hechengarten gänzlich totgesprochen wurde.
Nach Auflassung der Grube erfolgte die Nachlese auf den Halden; im Jahre 1791 war zu Litzelfelden ein neues Pochwerk erbaut wurden, wuhin nun die Erze vom Röhrerbühel gebracht wurden. Über ihre Güte geben uns nachstehende Ziffern Aufschluß: 12 Zentner Pochgänge gaben 1 Zentner Schliche mit einem Halt von nahezu 1 Lot Silber und 5 bis 6 Pfund Kupfer, ein Star Pochzeuge entsprechend einem Zentner wurde um die Gestehungskosten von 5 Kreuzern gewonnen. Innerhalb der kurzen Zeitspanne von kaum zwei Jahrhunderten ist dieser bedeutende Bergbau aufgeblüht und verfallen. Er wurde nur vom Falkenstein (bei Schwaz in Tirol), dessen Entdeckung um ein Jahrhundert früher fällt, überlebt. Nach einer aus dem Jahre 1597 stammenden Zusammenstellung waren damals am Röhrerbühel beschäftigt: 1645 Arbeiter, die sich auf 7 Schächte, 19 Strecken und 98 Bauorte verteilten; davon w r aren 371 Erzhäuer, 108 Sucharbeiter, 24 Erzscheider, 1038 Herrenarbeiter in der Grube und an den Göpeln, 14 Haldenkutter, 3 am Wassergraben, 8 in der Zimmerhütte und 1 in der Bergschmiede beschäftigt.
Im Jahre 1840 besuchte der damalige Präsident der Montanhofkammer Fürst Lobkowitz die Tiroler Bergbaue und seine Aufmerksamkeit fiel auch auf den alten, längst aufgelassenen Röhrerbühel. Er erteilte aus diesem Anlasse dem Sektionsrate i. P. Alois Schmidt zu Schwaz den Auftrag, diesen Bergbau gründlich zu untersuchen und hinsichtlich seiner Wiedergewältigung zu prüfen. Schmidt entledigte sich seines Auftrages in vorbildlicher Weise; seine aus diesem Anlasse verfaßten Berichte lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Nach diesem Autor gehören die Erzlager am Röhrerbühel dem Gramvackenschieferzuge (Übergangstonschieferzuge) an, welcher in Nordtirol neben dem dolomitischen Kalke alle Silber-, Kupfer- und Eisenlagerstätten, somit auch die benachbarten Kupferkieslager von Kitzbühel