Aufsatz 
Haswell und seine dampf-hydraulischen Schmiedepressen / von Arno Demmer
Entstehung
Seite
97
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Haswell und seine dampf-hydraulischen Schmiedepressen.

Von

Generaldirektor Ing. Arno Demmer.

Mit 3 Abbildungen.

In wenigen Jahren, im Juni 1938, sind es hundert Jahre, daß der Schotte John Haswell im Auftrag der Firma William Fairbairn & Co. in Manchester und Wilwall bei London nach Wien kam. Seine Aufgabe war, die von seinem Hause für Wien entworfene Werkstätte mit ihren Maschinen in Betrieb zu setzen.

Zu jener Zeit gab es in Österreich nur wenige alte, herrschaftliche Eisenwerke in Böhmen, Mähren, Schlesien,

Steiermark und Kärnten, in Wien selbst aber fast keine Betriebe, die man als Maschinenfabriken im heutigen Sinne hätte bezeichnen können.

Es war Urland zu pflügen; Heranbildung eines Arbeiterstandes und Schaffung des Werkzeuges. War doch die heimische Industrie so schwach entwickelt, daß sogar Transmissionswellen aus England bezogen werden mußten. Im ersten Jahre des Bestandes derWien- Raaber Eisenbahn, deren Direktor Haswell geworden war, waren es daher vorzugsweise Drehbänke, Bohr­maschinen, eine Maschine zum Aufpressen der Räder auf j 0 ^ n Haswell.

die Achsen, die im Fabrikationsprogramm genannt wurden.

Auch eine Eisengießerei mußte erst geschaffen und im Jahre 1840 ein Kupolofen mit einem Ventilator aufgestellt werden. Es war dies die erste Eisengießerei in Wien und in ihr wurden die ersten Schalengußräder gegossen. Um das Holz der Wälder für die steirische Industrie zu schonen, erließ die Regierung ein Verbot, Holzkohle für den Betrieb der Kupolöfen zu verwenden. Unter diesem Zwange war Haswell der erste, der Gaskoks zum Niederschmelzen verwendete.

Unermüdlich war der Erfindergeist Haswells auf dem Gebiete der Technologie, mit zielbewußter Freude ergriff er jedes mechanische Problem; die Erzeugnisse des Werkes vom Jahre 1843 legen dafür beredtes Zeugnis ab. Es wurden hergestellt: Hydraulische Pressen für Papierfabrikation, Zuckerraffinerie, Ölmühlen, Schrauben­schneidmaschinen, Krane, Lochmaschinen, Stampfwerke, große Blechwalzen, Schiebebühnen, Schneepflüge, Schmiedemaschinen, Dampfhämmer usw.

Bemerkenswert für seine Selbständigkeit ist, daß sich schon damals Haswell von englischen Vorbildern freigemacht hat, um fortan eigene Wege zu gehen.

Besonders schwierig waren größere Schmiedestücke herzustellen, wie solche im Lokomotivbau, der von Haswell besonders gepflegt wurde, Verwundung finden. Während manche Lokomotivbestandteile, wie Kreuzköpfe, Kolben, auch vielfach aus Gußeisen hergestellt wurden, so gab es doch wieder andere Teile, die nur aus Schmiedeeisen anzufertigen wuren, z. B. Kurbeln, Kümpelbleche usw.

Geschichte der Technik, II. 1.

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