Aufsatz 
Haswell und seine dampf-hydraulischen Schmiedepressen / von Arno Demmer
Entstehung
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Arno Demmer

Wenngleich nun der Dampfhammer als Werkzeug des Schmiedes von Nasmyth im Jahre 1839 zum zweitenmal erfunden worden war (das erste Patent auf einen solchen erhielt der Londoner Ingenieur William Deverell im Jahre 1806), so ist doch die Aufstellung und der Betrieb eines solchen immer von bestehenden Boden­verhältnissen und der Umgebung abhängig.

Um das Jahr 1860 dürfte Haswell seine dampf-hydraulische Schmiedepresse erfunden haben, denn das Schmieden nach diesem Verfahren wurde in den Werk­stätten der k. k. priv. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft, wie die Wien-Raaber-Eisenbahn nunmehr hieß, bereits im Jahre 1861 durchgeführt.

Die Qualität des Materials wird bei dieser Erzeugungsart der Schmiedestücke durch das stete, ruhige Pressen unter hohem Drucke entschieden eine bessere als durch das Schlagen der Hämmer.

Diese Tatsache fand sofortige Würdigung, denn nach Haswells Vorgang kamen bei Borsig und Schwartzkopf in Berlin und ebenso in England Pressen nach Patent Haswell, letztere wahrscheinlich nach der Londoner Ausstellung im Jahre 1862, auf welcher eine Zeichnung der kleinen HASWELL-Presse nebst anderen Schöpfungen Haswells ausgestellt war, in Verwendung.

Sicher ist, daß diese dampf-hydraulische Presse eine Erstausführung der alten Welt, wahrscheinlich sogar der ganzen Welt darstellt, und daß diese Presse am meisten dazu beigetragen hat, den Namen ihres Schöpfers in der gesamten technischen Welt bekannt zu machen. Denn so bahnbrechend Haswells Gedanken und Erfindungen auf dem Gebiete des Lokomotivbaues waren, deren Geschichte bis heute noch nicht geschrieben ist, so ist doch keine seiner vielen, der Zeit vorauseilenden Ideen so bekannt geworden, wie jene, die seiner Schmiedepresse zugrunde liegen. Haswells Schmiedepresse hat außerdem den großen Vorteil, daß die für einen Hammer er­forderlichen schweren Chabottefundamente entbehrlich sind.

Auf einem gußeisernen Rahmenträger ist in der Mitte desselben ein gußeiserner Dampfzylinder von 1264 mm Durchmesser befestigt. In diesem Zylinder bewegt sich der hohlwandige, gußeiserne Kolben, dessen Stange in zwei Stopfbüchsen geführt wird, die in den beiden gußeisernen Zylinderdeckeln eingebaut sind. Der mit dem Zylinder aus einem Stück gegossene Schieberkasten ist für einen Flachschieber entwickelt und steht mit der Dampfzuleitung vom Kessel über ein Dampfeinlaß­ventil in Verbindung. Befindet sich der Flachschieber in Mittelstellung, dann über­decken seine äußeren Steuerkanten die beiden S-Kanäle, die an den Zylinderenden in den Dampfzylinder einmünden.

Auf die Kolbenstangenenden sind auf jeder Seite je ein Plunger von 132 mm Durchmesser aufgekeilt, die gleichläufig mit dem Dampfkolben bewegt werden. Diese Plunger tauchen in die Preßwasserpumpen, die jede einfachwirkend am Pumpenende den Ventilkasten tragen, an denen die Saug- und Druckleitungen an­geflanscht sind. Im Ventilkasten sind je ein Saug- und ein Druckventil eingebaut. Die Pumpenkörper sind aus Gußeisen, Saug- und Druckventile sind aus Stahl gefertigte Tellerventile.

Die Druck- oder Preßwasserleitungen führen zur rein hydraulisch wirkenden Schmiedepresse.

Auf vier schmiedeeisernen Säulen ruht ein aus Gußeisen hergestellter Pressen-