Aufsatz 
Zur Geschichte des österreichischen Edelstahls / von Otto Böhler und Hans Schwoiser
Entstehung
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Zur Geschichte des österr. Edelstahles.

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erster Stelle behauptete. (Bericht des Werkzeugstahl-Ausschusses des Berliner Bezirks-Vereines des Vereins Deutscher Ingenieure in Nr. 39 der Zeitschrift des V. D. I. vom 28. September 1901.)

Neue und erhöhte Anforderungen an die chemischen und physikalischen Eigen­schaften der Qualitätsstähle stellten der Automobilbau, der Luftschiff- und Flug­zeugbau, sowie die neuzeitigen Kriegswaffen. Neben den schon früher bekannten Legierungsmitteln, wie Mangan, Wolfram, Chrom, wurden die Eigenschaften neuer Legierungsmetalle, wie Nickel, Kupfer, Kobalt, Vanadin, Titan, Tantal usw. im Stahle erforscht, wobei man sich die Lehren der Metallographie über den Gefüge­aufbau des Stahles zu eigen machte. Es entstanden auf diese Weise mit der Zeit eine lange Reihe sogenannter Sonderstähle, wozu die rost- sicheren, säure- und hitze­beständigen Stähle für Tafel­messer, chirurgische Werk­zeuge, Scheren, Koch­geschirre, für Gegenstände der chemischen Industrie und für Bauteile bei Explosions­motoren, die verschleißfesten Stähle für Baggermaschinen­teile, Brechbacken, Preß- stempel für Brikettfabriken und andere gehören. Bemer­kenswert ist, daß Chrom- Abb . 5. Abstich eines Elektroofens,

stahl in Österreich schon im

Jahre 1885 in der Gußstahlhütte in Eibiswald (Steiermark) hergestellt worden sein soll, dessen rostsichere Eigenschaften aber damals nicht beachtet worden sind. Österreichische rostsichere Chromstähle erschienen erst auf der in Wien im Jahre 1913 abgehaltenen Adria-Ausstellung. Stahlschmelzversuche mit Chrom wurden bereits im Jahre 1821 von Berthier durchgeführt und die erhaltenen Stähle zeigten schönen Damast, ließen sich gut schmieden und gaben gute Rasiermesser und andere Klingen.

Ein Umschwung in der Edelstahlerzeugung ist durch die um die Jahrhundert­wende erfolgte Einführung der Elektroofen in die Stahlerzeugung eingetreten. Das Schmelzen im Elektroofen gestaltet sich bei entsprechenden Strompreisen billiger als im Tiegel und erlaubt die Herstellung größerer Mengen in vollkommen gleichmäßiger Zusammensetzung und Temperatur. Die seither eingetretenen Ver­besserungen in dem Bau und Betrieb der Elektroofen und insbesondere die in letzter Zeit in österreichischen Edelstahlwerken eingeführten Hochfrequenzöfen haben die Elektrostahlerzeugung in den Vordergrund gerückt und sie befähigt, den Tiegel­stahlprozeß in jüngster Zeit fast vollständig zu verdrängen.

Die Edelstahlerzeugung und der Export von Edelstahl waren schon in der alten Monarchie eine Aktivpost der Handelsbilanz, und gleich wie in der Vorzeit der alte steirische Stahl in aller Herren Länder berühmt und begehrt war, so sind

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