Aufsatz 
Zur Geschichte des österreichischen Edelstahls / von Otto Böhler und Hans Schwoiser
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Karl Tänzer: Sondergewerbe ln der Eisenwurzen.

auch die neuzeitigen österreichischen Edelstähle, die nach den wissenschaftlichen Erfahrungen der heutigen Metallurgie aus den unerschöpflichen Schätzen des heimischen Erzberges hergestellt werden, nicht nur in allen Ländern Europas, sondern auch der ganzen Erde in Verwendung. Der weitaus größte Teil der öster­reichischen Edelstahlproduktion nimmt seinen Weg ins Ausland.

Das Verdienst vieler heimischer Hüttenleute kommt in diesem technischen und wirtschaftlichen Erfolg zum Ausdruck; man darf aber, wenn vom österreichi­schen Edelstahl die Rede ist, keinesfalls des im Jahre 1909 verstorbenen k. k. Ober­bergrates Fridolin Reiser vergessen, den man, ohne andere Verdienste zu schmälern, als den Pionier der österreichischen Tiegelgußstahlindustrie bezeichnen kann. Unter seiner Hand hat der steirische Tiegelgußstahl seinen Weltruf errungen. Reiser war auch der erste Stahlhüttenmann, der ein grundlegendes Buch über die Behandlung des Werkzeugstahles geschrieben hat, und das 1881 bei Artur Felix in Leipzig erschienene Werk ,,Das Härten des Stahles in Theorie und Praxis erlebte seither viele Neuauflagen und wurde in mehrere Sprachen, darunter auch die japanische, übersetzt.

Österreich ist in vielen Belangen die Heimat der Veredlungsindustrie; in der Edelstahlindustrie sind es aber auch die unvergleichlichen heimischen Naturschätze, das steirische Eisen, das ihren Weltruf in der Vergangenheit begründete und auch in fernster Zukunft erhalten wird.

Sondergewerbe in der Eisenwurzen.

Von

Ing. Karl Tänzer.

Mit 4 Abbildungen.

DerLaib Brot, von dem sich jeder ein Stück herunterschneiden kann, hieß der steirische Erzberg in seinem weiten Umkreis. Seine Geschichte ist aber nicht nur die eines Landstriches, sie ist die Geschichte des steirischen Eisens überhaupt, das fünf Jahrhunderte als unübertrefflich galt. Mit nimmermüdem Fleiß und mit den denkbar einfachsten Mitteln legten unsere Vorfahren amgebenedeiten Erz­berg den Grundstein zur österreichischen Eisenindustrie. Heute steht am Fuße des Berges als Triumph neuzeitiger Technik das große Hüttenwerk Donawitz, wo Gewinnung und letzte Gestaltung des Eisens leicht übersehbar vor unseren Augen abrollen.

Die Eisenwurzen.

Holz und Wasserkraft waren noch vor mehreren Jahrzehnten das Rückgrat für die Gewinnung und Verarbeitung des steirischen Eisens. Planlose Waldwirt­schaft verwüstete schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts die herrlichen Wälder