Sondergewerbe in der Eisenwurzen.
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um den Erzberg. Holznot entstand. Kaum daß der für die Radwerke benötigte Brennstoff in der nächsten Umgebung der Erzlager aufgetrieben werden konnte. Die Hammerwerke mußten sich von den Schmelzöfen trennen und siedelten sich weitab vom Erzberg dort an, wo Holz in ausreichender Menge und beständig starke Wasserkräfte ihren ungestörten Betrieb sicherten.
Die vergrößerte Arbeiterzahl, die der aufstrebende Betrieb am Erzberg allmählich beschäftigte, war ebenfalls Ursache für das Entstehen neuer Hammerstätten. Da der karge Boden im Umkreis des Erzberges die wachsende Zahl der Arbeiter mit ihren Familien allein nicht verpflegen konnte, mußten die fruchtbaren Täler der unteren Enns, der Erlaf, Ybbs und Traisen aushelfen. Die Händler lieferten nach Eisenerz Mehl, Fleisch und Fett und bekamen dafür von den Radmeistern
Abb. 1. Eisenerz um 1649 nach einem Stich von Mathias Merian.
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nicht Geld, wühl aber Eisen. Dieses als „Provianteisen“ bezeichnete Eisen ward Grundlage einer blühenden Kleineisenindustrie im Gebiete der vorgenannten Wasserläufe. Und dieses Gebiet gehörte jenem Gau an, der von altersher die „Eisenwurzen“ hieß. Die „gottgesegnete“ Eisenwurzen erstreckte sich vom Erzberg bis zur Donau, vom Krems- und Stevrtal bis in das Tal der Traisen und war bis vor kurzem ein wirtschaftsgeographischer Distrikt, nicht aber ein vom Landesfürsten einst fest umgrenzter Verwaltungsbezirk. Erst im März 1932 erlangte jener Teil der Eisenwurzen, der im Bundesland Xiederösterreich liegt, auch politische Bedeutung. Vom niederösterreichischen Landtag wurden anläßlich der Einteilung des Landes in neue Wahlkreise die Gerichtsbezirke Amstetten, Gaming, Haag, St. Peter in der Au, Scheibbs, Waidhofen an der Ybbs und Ybbs, zu einem Wahlkreis: „Eisenwurzen“ zusammengefaßt.
Die Hammerwerke besorgten ursprünglich nur die Trennung der Eisensorten aus den Masseln. Die äußere Partie derselben war Schmiedeeisen, erst gegen den Kern zu Stahl. Man unterschied seiner Güte nach Roh-, Mittel- und Vorderkernstahl. Die abgeschroteten Teile der Masseln hießen Kloben oder Stangeneisen und wurden je nach ihrer Verwundung unter den kleinen Zainhämmern in Stäbe von 5 bis 12 Pfund Gewicht ausgeschlichtet oder „gezahlt“. Jeder Stab trug das Zeichen des Hammerwerkes. Der Rohstahl wurde in der Hauptsache zu Hacken ausgeschmiedet, der Mittel- oder Frumbwerkstahl zur Herstellung von Messer-