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Karl Tänzer
klingen verwendet, während der Vorderkernstahl als „Scharsachstahl“ zu Schwertern oder Sensen verarbeitet wurde. Der Scharsachstahl war die gesuchteste Sorte.
Die Eisenstadt Steyr.
Die Herzkammer des Innerberger Eisenwesens war durch fünf Jahrhunderte Steyr. Herzog Albrecht I. verlieh der Stadt schon 1287 das Privileg zum ausschließlichen Handel mit diesem Eisen. Sie wurde der einzige Stapelplatz für Innerberger Eisen, welches die breite und tiefe Enns ihr zuführte, aber auch ein alter Straßenzug, die Eisenkammerstraße, die Eisenerz mit Steyr verband. Ende
des 13. Jahrhunderts entstand die später so mächtige Gilde der Eisenhändler, die in bestimmten Fristen von den Innerberger Rad werken das Eisen abholten, um es von Steyr aus in den Handel zu bringen. So lange noch Rad- und Hammerwerke vereinigt waren, nahmen sie das „geschlagene Zeug“ von den Radmeistern in Empfang. Später aber, nach vollzogener Trennung der Hammerwerke von den Rad werken, bezogen die Eisenhändler das geschlagene Zeug unmittelbar von den Hammermeistern.
Abb. 2. Der Innerberger Stadl in Steyr. \J Die Hammermeister brauchten
in schlechten Zeiten Geld, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dieses Geld streckten ihnen die Steyrer Kaufleute als unverzinsliches Darlehen vor. Dafür mußten die Hammermeister sich verpflichten, allwöchentlich eine bestimmte Menge ihrer Erzeugnisse den Kaufherren zu liefern. Man nannte einen solchen auf die Gewährung eines Darlehens fußenden Liefervertrag einen „Verlag“. Der Eisenhändler hieß Verleger. Durch diesen Verlag kamen die Hammermeister allmählich in die Hände der Steyrer Verleger, die bald zu großer Macht gelangten und sie rücksichtslos gebrauchten.
Die Ansammlung der Erzeugnisse der Hammerwerke in Steyr und die überaus günstige Lage dieser Stadt zur ausgezeichneten Donaustraße bestimmte in hervorragender Weise die gewerbliche Entwicklung dieses Gemeinwesens und die der angrenzenden Teile des nieder- und oberösterreichischen Voralpenlandes, die wir als „Eisenwurzen“ schon kennenlernten. Die wichtigsten Erzeugnisse des Kleineisengewerbes waren Messer, Schwerter, Sensen und Sicheln, Hacken, Schnitzmesser, Taschenfeitel, Scheren, Feilen, Ahlen, Bohrer, Zangen, Hobeleisen, Hand- und Bogensägen, Löffel und Pfannen, Nägel, Maultrommeln, Schrauben und Draht, Hufeisen, Pflugscharen und Radblech. Diese Erzeugnisse wurden in fast allen europäischen Ländern, in der Levante, selbst in Persien und Indien abgesetzt.
Der Ruhm des steirischen Eisens drang in fernste Länder und die daraus ge-