Aufsatz 
Sondergewerbe in der Eisenwurzen / von Karl Tanzer
Entstehung
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Sondergewerbe in der Eisenwurzen.

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Maultrommeln werden in den verschiedensten Größen, aus Eisen oder Messing, mit einer Zunge oder mit doppelter Zunge angefertigt. Es gibtStroh-,Pilsen-, Schlüssel- oderSteyermärker-Trommeln. Dieses Instrument, ob seiner lockenden Töne einst von kirchlicher Seite verpönt, findet in der Welt immer weniger Anwert.

Die ersten Schmiede, die sich in den Tälern der niederösterreichischen Eisen­wurzen niederließen, kamen unzweifelhaft aus dem Innerberger Gebiet, wenn dies auch urkundlich nicht niedergelegt ist. Ihre Einwanderung erfolgte weder mit einemmal, noch war sie planmäßig. Nachweisbar jedoch ist, daß die steirischen Eisenmänner nach Verlassen des Ennstales entlang der Salza von Palfau über die Mendling in das Ybbstal nach Göstling hinabstiegen. Göstling war für dieses eisen­kundige Volk ein Zweigpunkt, denn hier ist ein zweifacher Zug seiner Wanderung feststellbar. Der erste Zug ging ybbsabwärts über Höllenstein, Opponitz nach Waidhofen, wobei ein Teil dieser wandernden Scharen vorher über die Kripp nach Ybbsitz abschwenkte. Der andere Zug ging ybbsaufwärts über Lunz und den Grub- berg nach Gaming, teilte sich hier, um einerseits nach Gresten und anderseits der Erlaf entlang nach Scheibbs und Purgstall zu ziehen.

Auch die Zeit, da der Klang der Hämmer dieser Schmiede zum erstenmal in den Tälern der Ybbs und der Erlaf erscholl, läßt sich nicht mit Sicherheit nach- weisen. Wahrscheinlich sind ihre ersten Siedlungen zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstanden, denn der Huf der Kunstfertigkeit der Schmiede aus der Eisenwurzen war schon im 13. Jahrhundert weit über Deutschlands Gaue, sogar bis nach Siebenbürgen gedrungen. König Andreas III. von Ungarn erneuerte im Jahre 1291 den aus derEisenwurczel stammenden deutschen Arbeitern, die nach Torotzko in Siebenbürgen berufen worden waren, ihre Privilegien, die durch den Einfall der Mongolen in Verlust geraten waren.

Waidhofen a. d. Ybbs und Ybbsitz.

Ähnlich günstig gelegen wie Steyr, lag Waidhofen an der Ybbs zum Erzberg und zur wichtigsten Verkehrsstraße Österreichs, der Donau. Urkundlich erscheint erstmalig der NameWaidhovn im Jahre 1186, aber schon achtzig Jahre später heißt Waidhofen derSchlyssl von Eisenärzt. Feuer und Wasser, die beiden für die Bearbeitung des Eisens so wichtigen Elemente, waren in reichlicher Menge vorhanden. Bis tief in die steirische Mark schmückten prächtige Wälder die hohen Berge, zwischen denen brausende Bäche ihre wilden Wasser in die rauschende Ybbs stürzten, deren schäumende Kraft sich die Menschen dienstbar machten.

Waidhofen war bald der gefährliche Nebenbuhler von Steyr, das alles aufbot, um das Emporkommen dieser Stadt zu erschweren. Der unmittelbare Bezug Inner­berger Eisens war Waidhofen verboten. Der fünfte Teil des in Eisenerz erzeugten Stahls war Waidhofen zugebilligt worden, doch diese Menge reichte für die dortige Kleineisenindustrie nicht aus. Jeder Versuch der Waidhofener Handwerker jedoch, direkt bei den Innerberger Hammermeistern einzukaufen, schlug an der eifer­süchtigen Aufmerksamkeit der Steyrer Kaufleute fehl. Besonders hemmend für die Versorgung mit Roheisen war der Straßenzwang, durch den die Beförderung recht umständlich war. Alles für Waidhofen bestimmte Eisen gelangte mit Saum-

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